Jetzt gibt es dieses Blog, wo ich in 101 Schritten erklären will, warum wir nicht Pleite sind in Europa, nicht mal in Griechenland. Und warum es eigentlich mit dem Euro weiter vorwärts gehen sollte, wie in den ersten 10 Jahren als wir ihn hatten. In denen der Euro nämlich ein voller Erfolg war.

Keiner hatte sich in den ersten zehn Jahren mal aufgeregt, oder keiner was gegen den Euro gehabt – und auf einmal, seit letztem Mai soll alles anders sein. Das hab ich auch schon mal dem Joschka Fischer gesagt.  Da muss man nur an der richtigen Stellschraube ein wenig Nachstellen, und dann läuft der Laden. Nur, es gibt ja andere Interessen. (Mein Kommentar - mattus – in Englisch unter seinem Artikel.)

Nämlich Milliarden gewettet mit Credit Default Swaps, die jetzt nur auszahlen wenn eine Pleite kommt. Wie kann man das erklären, am Besten? Die Dinger sind ja kompliziert. Also schrieb ich einen Artikel im Dezember, bot ihn der ZEIT und der Süddeutschen Zeitung an, weil ich dachte die wissen nicht, was da vor sich geht. Auf eine Antwort von der SZ warte ich immer noch, und die ZEIT lehnte ab, wegen Platzgründen. Genauso wie der Guardian in England eine Version in Englisch nicht wollte. Auch die Nachdenkseiten lehnten einen revidierte Version ab. Warum weiss ich nicht genau.

Sie liessen Heiner Flassbeck den Artikel gegenlesen, der bis auf wenige Änderungen meinte, er sei ok. (Ich mach es mir einfach im Artikel, ich sage Hedgefonds kaufen CDS, und Banken verkaufen, es ist nicht immer so!)  Also, was Ihr in den Zeitungen alle nicht lesen konntet, steht nun hier. (Wen es interessiert was die UNCTAD ueber CDS denkt, wo der Flassbeck Chef Oekonom ist, mal hier ab Seite 33 schauen  – auf Englisch).

Ich hoffe, ihr versteht, um was es genau geht. Die Zahlen sind ein bischen anders jetzt (Datenlage Dezember 2010), aber das Prinzip stimmt auf alle Fälle noch.  Was sind also CDS und was macht man dagegen?

Hier der Artikel:

Wie Heuschrecken Europas Zukunft zerstören

Die Macht der Finanzspekulanten - und wie Europa sich von Hedgefonds vorführen lässt

Eine Analyse aus internationaler Perspektive

Deutschland Erwache! Die Barbaren stehen vor der Tür! In Berlin oder Brüssel wird noch getanzt, obwohl die Stadtränder schon in Flammen stehen. Europa ist in einer Krise, ausgelöst durch die wirtschaftlichen Interessen die die öffentliche Debatte, besonders die im angelsächsischen Raum beherrschen.

Die internationalen Finanzinteressen, grosse Ansammlungen privaten Kapitals in Hedgefonds,  wollen, genau gesagt, eine Pleite der Peripherieländer herbeiführen. Damit können enorme Summen verdient werden. Man kann mit einer Wette von Euro 10 Milliarden, Euro 180 Millarden machen, einfach so, nur dadurch das Irland eine Insolvenz erklärt und sagt sie müssen Umschulden. Sie haben richtig gehört. Euro 180 Milliarden. Das ist mehr als ganz Irland nächstes Jahr als Bruttoinlandsprodukt erwirtschaften wird.

Aber, aber, sagen Sie sicher, es wettet ja keiner 10 Milliarden Euro. Falsch, es werden ein mehrfaches dieser Summen gewettet. Es wird extrem auf einen Misserfolg spekuliert, einen Misserfolg der Peripherieländer.  Wenn die Haircuts einführen, Ihre Schulden nicht ganz begleichen, oder aus dem Euro austreten, gibt es den grossen Zahltag für die, die diese Wetten abgeschlossen haben. Wer wird für diese Wetten zahlen? Drei mal dürfen sie raten, richtig, wir.

Wie genau geht das? Wer schliesst diese Wetten ab, wer genau ist das der da wettet, wer wettet dagegen, und warum müssen am Ende wir zahlen?

Diese Instrumente, mit denen da gewettet wird heissen Credit Default Swaps. (Also Wettschein, Kreditausfallversicherung, Credit Default Swap, CDS, gemeint ist immer dasselbe.) Sie kaufen Credit Default Swaps wie einen Wettschein von einem Wettbüro. Irland Pleite 17:1, steht auf diesem Schein. Nur, es ist kein Wettbüro das sich hier auf eine solche Wette einlässt, sondern es ist meistens eine Bank. Warum eine Bank? Nun, die Leute die hier wetten, wollen ja auch sicher sein das die Wette eingelöst werden kann, kein Wettbüro hat diese Summen, Banken allerdings schon. Manchmal werden die Wetten auch von Versicherungshäusern angenommen. Die haben auch viel Geld, und könnten zahlen sollte die Wette fällig werden.

Diese Credit Default Swaps sind, so wollen es uns die Experten weismachen, Versicherungen für Zahlungsausfälle. Papperlapapp. Das kann nicht stimmen. Die Versicherung kostet mehr als die Rendite die ich erzielen kann. Warum sollte ich mich versichern, ich kann entweder nicht investieren, oder verkaufen, und das Geld benutzen um in ein risikofreieres Instrument zu investieren. Wenn ich investiere und versichere dann verliere ich nur Geld.

Hier ein Beispiel warum es dumm wäre eine Kreditausfallversicherung zu kaufen. Ich könnte Irische Staatsanleihen kaufen. Die sind heute 100 Euro wert. Die werfen eine Rendite von 8% ab, in einem Jahr erwarte ich 108. Wenn ich mich gegen Ausfall versichern wollte durch einen Wettschein, kostete mich das eine Prämie, von 5,5% (das gleiche wie eine 17:1 Wettquote). Ich bin mir sicher, das ich jetzt in einem Jahr 108  haben werde,  muss allerdings auch 5,50 Kosten abziehen, also es bleiben nur noch 102,50.

Es ist also besser für mich in Deutsche Staatsanleihen zu investieren. Die zahlen zwar nur 3%, aber ich brauche ja keine Ausfallversicherung. Ich habe garantiert 103 in einem Jahr.

Wie bestimmen die Banken die Kosten dieses Wettscheins? Wie wird die Quote berechnet?  Berechnet wird die auf Grund der Zinsen der Anleihen, die der Anleihenmarkt bestimmt. Denn nur so kann die Fiktion Aufrecht erhalten werden, dass es sich wirklich um Ausfallversicherungen handelt, und nicht um pure Wetten bei diesen Credit Default Swaps. Wenn Zinsen fallen, fallen die Kosten der Credit Default Swaps, und umgekehrt.

Die Wetten die insgesamt abgeschlossen wurden auf den Bankrott Irlands belaufen sich auf ungefähr Euro 4 Mrd (Nettoposition), laut dem Dezember Monatsbericht der Deutschen Bundesbank von dieser Woche.

Wie sieht das aus mit Anleihen Irlands? Die Irische Zentralbank beziffert die ausstehenden längerfristigen Anleihen Irlands auf Euro 90 Mrd.

Jetzt überlegen Sie mal bitte mit: Was passiert wenn Irland wirklich zahlungsunfähig wird?

Irlands Anleihen wären nichts mehr wert. 90 Mrd Verlust

Und die Leute die 4 Mrd gewettet haben, wieviel bekommen die? Es werden 72 Mrd fällig auf diese Wetten, dank der Wettquote von 17:1.

72 Mrd Euro Verlust den die Banken tragen müssen, die diese Kreditversicherung geschrieben haben.

90 Mrd Anleihenverlust wird theoretisch von 72 Mrd Kreditversicherung ersetzt. Alles so wie es sein soll, dafür gibt es die Kreditversicherung ja. Aber nur theoretisch.  Denn kaum ein Anleihenbesitzer wird diese Kreditversicherung besitzen, weil es ja keinen Sinn gemacht hätte sie zu kaufen.

Das heisst, die Hedgefonds kassieren die Wetten, und die Kreditgeber gehen leer aus.

Die gleiche Konstellation wie bei Lehman Brothers, was natürlich noch fehlt ist dass der Staat zahlt. Das wird auch hier so sein, denn die Banken werden nicht die 72 Mrd Cash haben, um die CDS einzulösen. (Im Falle Lehman war das die Versicherungsgruppe AIG die mit $200 Mrd gerettet werden musste um ihre Wetten einzulösen)

Also ganz konkret – Irland geht in die Insolvenz:

Verlierer: 90 Mrd: Irische Anleihenbesitzer (Pensionsfonds, Versicherungen, Banken)

Verlierer: 72 Mrd: Banken die die CDS herausgaben

Verlierer: 72 Mrd: Steuerzahler der die Banken retten muss

Gewinner: 72 Mrd: Hedgefonds, die die CDS kauften

Das kann man ruhig noch mal sagen, die Allgemeinheit muss nicht nur den Verlust der Pensionsfonds, Versicherungen und Banken tragen aber auch den Gewinn der Hedgefonds finanzieren.

Und wenn es keine Credit Default Swaps gegeben hätte, denn CDS wurden ja erst vor 10 Jahren erfunden? Die Kosten hätten so ausgesehen:

Verlierer: 90 Mrd: Irische Anleihenbesitzer (Pensionsfonds, Versicherungen, Banken)

Also. sobald einer das Wort Haircut in den Mund nimmt, oder auf Umschuldung drängt, (Ideen die aus dem angelsächsischen Raum stammen und da propagiert werden und durch Ansteckung hier herübergetragen werden) bitte noch mal überlegen und daran denken wer denn hier wirklich gewinnt oder verliert.

Was kann man machen? Nichts? Ist man den Hedgefonds ausgeliefert?

Von wegen, man bediene sich der gleichen Munition und schiesse einfach zurück.

Was extrem gefordert wird sind Umschuldungsinitiativen, die englische Presse ist voll davon. Es wird propagiert auf der Webseite Project Syndicate, wo die schlauesten Köpfe der Welt sich versammeln.  Was allerdings vergessen oder verschwiegen wird ist, dass nur dann dann die Wetten der Hedgefonds fällig werden. Das geht so weit, dass  schon die grössten Hedgefondmanager Umschuldung in der Financial Times fordern, ohne dabei rot zu werden.  Diese Woche waren es George Soros und Mohamed El-Erian, Chef des grössten Bondhändlers der Welt, PIMCO (Allianz Gruppe). Langsam wird es peinlich, man könnte meinen dass die englische Presse gekauft ist. (Und wer finanziert wohl die Webseite Project Syndicate?)

Also es wird gefordert umzuschulden, obwohl Irland und Griechenland ja eigentlich noch zahlen können. Wenn ich umschulde, und der Kreditnehmer ist wirklich nicht insolvent, dann ist das nichts anderes als eine Enteignung. Aber Enteignung können wir Deutschen ja gut, hatten wir ja früher in der DDR.

Hier der erste Vorschlag: CDS Kontrakte werden einfach ungültig erklärt, von heute auf morgen. Europaweit. Das ist eine Enteignung, also genau was die Herren der Hedgefonds fordern. Sie hatten allerdings nicht damit gerechnet, dass sie selbst enteignet werden.

Was passiert? Gar nichts. Genau das was passiert wenn Sie Ihrer Hausversicherung eine Prämie überwiesen haben, und die geht am nächsten Tag Pleite. Kein Bankenzusammenbruch, kein Bail-out. Vor allem Ruhe aus dem angelsächsischen Raum, was der Eurokrise ja nur gut tun würde.

Was passiert mit den Prämien die von den Hedgefonds für die CDS bei den Banken eingezahlt wurden? Die werden einfach eingestrichen und dem Kapitalvermögen der Banken zugeschrieben. Das können die Banken gut gebrauchen, denn eine dünne Kapitaldecke haben die ja immer.

Wer verliert jetzt? Die Hedgefonds. Wer gewinnt? Die Banken. Und wir, denn wenn es den Banken besser geht, brauchen wir denen das nächste Mal vielleicht nicht soviel zuschiessen.

Also Haircut für Hedgefonds, bitte, durch das Verbieten von Credit Default Swaps. Sofort.

Die wirklichen Feinde in dieser Eurokrise sind die Hedgefonds, die sich freuen wenn Merkel und Steinbrück sich streiten, wir über die Griechen schimpfen und uns unsere Mark wieder wünschen. Alle mal bitte an einem Strang ziehen und auf den wirklichen Feind einhauen. Wir haben 26 Verbündete. Lasst uns auf unsere alten Stärken besinnen, Fahneneid auf die Europäische Fahne schwören und Bitzkrieg führen, gegen die Hedgefonds, das würden die verstehen.

(Kommentare)

About these ads