David und Goliath

David und Goliath

Sind alle Politiker Europas zu dumm um etwas gegen die Spekulation mit Credit Default Swap zu unternehmen? Oder sind sie alle bestochen? Oder sehen sie einfach nicht das Problem? Denn es wird ja nicht in der Presse und den Medien besprochen.

Und wenn das Problem angesprochen wird, wird es abgestritten. Das sind also ähnliche Methoden, die die Tabakindustrie über Jahrzehnte weltweit angewendet hat, um Einschränkungen gegen das Rauchen zu verhindern.

Die Spekulation wird beschönigt.  Da man keine Kausalität belegen kann, dass CDS Spekulation zu Verschärfung der Eurokrise beiträgt, tut man so, als ob die Spekulation kein Problem ist. Hier ein Ausschnitt aus einer Radiosendung des BBC vor einigen Wochen:

BBC Reporter: Back in London, at the International Swaps and Derivatives Association, Richard Metcalfe seemed quietly confident that the threat of any restrictions on the use of Naked Credit Default Swaps had already been seen off.

Richard Metcalfe:  We have had conversations with a number of governments around Europe and there is a broad understanding of the fact that credit derivatives ultimately lower their borrowing costs. And their national debt management agencies are generally very very supportive of Credit Default Swaps.

Aha, der Mann vom CDS Industrieverband sagt uns, dass CDS zu niedrigeren Finanzierungskosten führen. Und dass man schon Regierungen von dem Argument überzeugt habe. Und deshalb wohl die Gefahr von Einschränkungen von “nackten” CDS (also CDS die nicht durch Anleihen gedeckt sind) gebannt habe.

Die International Swaps and Derivatives Association gehört zu den gefährlichsten Lobbygruppen in Europa. Die gewinnen sogar Preise.  Als Industrieverband der Investment Banken und Hedgefonds ist die deren finanzielle Macht wohl riesig. ISDA, wie auch andere Lobbyorganisationen versuchen, Regulierung der Finanzmärkte in Europa zu beschränken. Wie das genau passiert, wird zum Beispiel hier geschildert.

Eine neue Lobbygruppe, die sich seit Mitte dieses Jahres gegen die Finanzlobby stellt, ist Finance Watch. Eine Gegenlobby zur Finanzlobby. David gegen Goliath. 12 Mitarbeiter gegen etwa 700 Fianzlobbyisten in Brüssel. Ein Budget von 2 Mio Euro gegen 300 oder 400 Mrd.

Das heisst nicht, dass die nicht schon Erfolge aufweisen können. Obwohl CDS nicht als Problem in den Finanzredaktionen wahrgenommen wird, erscheinen die ersten Analysen über die Spekulation mit CDS in öffentlich rechtlichen Fernsehen und Rundfunk. In Deutschland wird das Problem in jeder Talkshow und in jedem Presseclub verschwiegen, aber es wird wenigstens in Monitor besprochen.

Das gleiche in England, auch da versuche ich die Finanz- und Nachrichtenredaktionen der BBC oder des Guardian, bis jetzt vergeblich, auf das Problem der CDS aufmerksam zu machen, aber auch dort wird es ignoriert. Aber vor einigen Wochen endlich mal eine Radiosendung, die CDS thematisiert. Es ist jetzt nur eine Frage der Zeit, dass diese Problem in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden, und sich die Öffentlichkeit gegen diese Lobbyorganisationen wendet.

Also informieren sollte man sich schon, schauen sie sich noch mal die Informationen an, die von Finance Watch zur CDS Problematik veröffentlicht werden, eine Analyse, die das Argument der ISDA, dass Finanzierungskosten von Staatsanleihen durch CDS unten gehalten werden, widerlegt, schauen wird einfach noch mal die WDR Monitor Sendung über CDS, oder hören wir einfach das Radioprogramm der BBC dazu (hier auch das Manuskript). Und dann wird jedem klar, dass CDS massiv reguliert und eingeschränkt werden müssen.

Gerade in der Eurokrise ist die Bevölkerung Europas direkt und unmittelbar von allen Entscheidungen betroffen. Das Risiko einer neuen Finanzkrise ist enorm. Denn ist einmal die Finanzstabilität gefährdet, wäre sofort eine Finanzkrise des Ausmaßes der Krise von 2008 möglich, wenn nicht sogar sehr wahrscheinlich. Das scheinen alle, die hier auf die Probleme und finanzielle Risiken einer Eurorettung hinweisen, mit der Begründung, dass Griechenland ja nie seine Schulden zurückzahlen könnte, zu ignorieren. Das sind renommierte Professoren und Beamte wie Professor Sinn oder Bundesbankpräsident Weidmann. Die ignorieren, dass ein Problem ähnlich gross wie nach der Lehman Brothers Pleite auf uns zukommen würde, wenn CDS fällig würden.

Im nächsten Bericht, eine Analyse, ob Griechenland wirklich nicht seine Schulden zurückzahlen kann, anhand der Analyse des IWFs von Anfang Juli, und der Entscheidung der EU letzte Woche, die die Finanzierungskosten Griechenlands auf höchstens 3,5% beschränkte.

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