Eigentlich sollte es in diesem Beitrag darüber gehen, ob Griechenland wirklich so Pleite ist, wie es viele Kommentatoren sagen. Aber die Märchenstunde wird erst noch mal in eine andere Richtung fortgesetzt – nach Rotkäppchen gibt es nun ein weiteres Kapitel. Wir hatten uns ja schon mal darüber ausgelassen, dass es nicht zu einer Bankenbeteiligung kommt, in dieser Eurokrise. Es gibt keinen Default, keinen Schuldenausfall für Griechenland, keine wirkliche Umschuldung, denn die Banken müssen ja gar nichts, es ist alles freiwillig. Wenn sie wollen, dürfen sie, wenn nicht, auch gut. Das ist kein Default. Wenn sie existierende Anleihen umtauschen, bekommen sie bessere Konditionen. Egal was uns die Banken erzählen wollen. Egal auch, wie gerne die Ratingagenturen einen Default hätten – und egal was die sagen.

(Hat die Ratingagenturen übrigens schon mal einer gefragt, ob sie mit CDS auf Griechenlandpleite gewettet haben? Ist da schon mal einer darauf gekommen? Das wäre ja vernünftig, aus ihrer Sicht, wenn man mit Abwertungen ein Land immer weiter in die Krise treiben kann, und dabei gleichzeitig Geld verdienen könnte! Die wären schön blöd, die Ratingagenturen, wenn die keine CDS auf Griechenland und andere Länder hätten!)

Wie kommt es, dass unabhängige Kommentatoren wie egghat, oder Spiegelfechter sofort erkennen, dass es sich nicht um eine wirkliche Gläubigerbeteiligung bei den Banken handelt, die letzte Woche in Brüssel ausgehandelt wurde. Das haben inzwischen auch Professoren wie Bofinger oder Sinn gesagt.

Nur die Presse hinkt noch etwas hinterher. Die glauben die Story mit dem 21% Haircut, der uns als Bankenbeteiligung verkauft wird. Das ist egal ob in der FT, oder BBC Business Blog, oder beim Spiegel (der Artikel weist uns auch auf die Bankenabzockgesellschaft die hier gegründet werden soll, um uns weiter das Geld aus der Tasche zu ziehen – Sowas ist natürlich gegen die Wettbewerbsbestimmungen der EU – da werde ich mich mal beschweren) – oder bei der Zeit (ein Journalist der mit Anleihen spekuliert aber wohl noch nichts von CDS gehört hat – gibt es sowas?)

Wie genau war noch mal die Formulierung, die das Institute of International Finance genau benutzt hat, von dem der Ackermann der Chef ist:

All instruments will be priced to produce a 21% Net Present Value (NPV) loss based on an assumed discount rate of 9%.

Das heisst auf Deutsch, wenn man annimmt, dass die Banken sonst einen Zinssatz von 9% erwirtschaften, verlieren die Banken an der vorgeschlagenen Lösung 21%. Der Gegenwartswert (Barwert)  der Investition ist nur 79%. Die Banken wollen uns erzählen, dass deren Beitrag zur Griechenlandrettung so ist, als würden sie 100 Euro nehmen, und sofort 21 Euro in den Mülleimer schmeissen.

Also was hier ganz genau berechnet wird, ist folgendes:

Es kommt auf die discount rate an, also den Kalkulationszinssatz, der hier angenommen wird. Die Banken wollen uns erzählen, dass sie wirklich 9% Zinsen sonst erwirtschaften können! Deshalb der 9% Kalkulationszinssatz. Was heisst das genau? (die englische Seite von Wikipedia erklärt genau wie man einen Net Present Value ausrechnet - ähnlich erkärt auf Deutsch hier )

Gehen wir mal davon aus, dass die Banken 100 Euro verleihen. Wenn die ersten Zinsen anstehen (4,5% in einem Jahr) ist der Gegenwartswert (Barwert) nur 4,50/1.09=4,13. Für das nächste Jahr wird dieses Resultat wieder durch 1.09 geteilt, macht 3,79. Und so weiter.. Alle Zinszahlungen über die Darlehensperiode werden so zusammengerechnet. 4,13 + 3,79 +…= Gegenwartswert aller Zinszahlungen.  Die Rückzahlungssumme 100 wird durch die 1,09 hoch 30 geteilt (sie ist erst in 30 Jahren fällig) und dabeigerechnet. Die Gesamtsumme ist der Gegenwartswert aller Zins- und Rückzahlungen an den Kreditgeber.  Alle diese Summen werden zusammengezählt, und so kommen die Banken anscheinend auf einen Gegenwartswert der gesamten Zinszahlungen und Rückzahlungen, die anscheinend nur 79% der ausgegebenen Darlehenssumme von 100. Deshalb wird von einem Haircut von 21% gesprochen. (Ich hab das mal versucht nachzurechnen – ich komme bei 9% Kalkulationszinssatz und einer Zinsrate von 4,5% auf einen Gegenwartswert von 54% für 30 Jahre und 64% für 15 Jahre.)

Wie realistisch ist eine discount rate von 9%? Können die Banken wirklich 9% Zinsen von ihren anderen Krediten erhoffen? Das sind natürlich Märchengeschichten. Denn die durchschnittliche Zinsmarge der Banken liegen etwa 1,5% über den Kosten. Also, die Kosten sind 1,5%, wenn sich die Bank Geld bei der EZB leiht, oder auch sonst bei Sparern leiht. Das heisst, der Kalkulationszinssatz sollte so um die 3% liegen, vergleichbar mit anderen Bankkrediten.  (Die Deutsche Bank kommt auf eine durchschnittliche Zinsrate 2010 auf 2,9%, die Zinsmarge ist 1,57% laut 2010 Annual Report – Seite 91)

Wie sähe dann dieser Banken Haircut aus, wenn wir einen realistischeren Kalkulationszinssatz von 3% nehmen, anstatt den an den Haaren herbeigezogenen Zinssatz von 9%?

Der Gegenwartswert ist 129% bei einer 30 jährigen Finanzierung, und 118% bei einer 15 jähringen Finanzierung – wieder bei einer Zinsrate von 4,5%.

Die Banken machen also 29% oder 18% garantierten Gewinn (denn die EU soll ja das Risiko decken) aus ihrer “Gläubigerbeteiligung”.

Aber die Presse schreibt was anderes. Auf welcher Seite ist die Presse? Lesen die nicht, was Bofinger, Sinn, egghat, Spiegelfechter, (auch zu lesen bei den Nachdenkseiten), und ich hier erzählen. Oder können die nicht rechnen?

Nichts von einem 21% Haircut zu sehen. Die Banken machen 29% oder 18% garantierten Gewinn! Und der dumme Steuerzahler subventioniert das Ganze, denn der bekommt nur 3,5% Zinsen, und keine Garantie! Aber ohne den europäischen Steuerzahler wären die Banken hier mal wieder Pleite. Wir subventionieren, wie schon immer seit 2008, mal wieder die Banken!

Verhandelt von unserer Bundeskanzlerin und unserem Finanzminister – was kann man da auch anderes erwarten?

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