Manchmal bin ich froh, dass es andere Blogs gibt, denn nur so, durch Diskussionen, kann man m.E. auf bessere Ideen stossen. So vor ein paar Tagen, als Wirtschaftsphilosoph die blau/rote Eurobond Idee kritisierte. Anleihen bis 60% des BIPs sind blaue Anleihen, von allen Euro Ländern garantiert, und darüber hinaus versucht jedes Land selber seine Anleihen zu vermarkten, als rote Anleihen.

Ausser, dass es eine Zinsersparnis für die blauen Anleihen geben könnte, wäre einem Land wie Griechenland natürlich nicht geholfen, denn es könnte keine Käufer für seine roten Anleihen finden, und müsste wie jetzt zum IWF/EU/EZB kommen, um um Hilfe zu bitten.

Ich bin, wie Wirtschaftsphilosoph kein Fan von Eurobonds, da wir hier weiter Risiken eingehen, die die Länder, am besten mit unserer Hilfe, weiter selber lösen sollten. Wie das im Fall Griechenland aussehen könnte, hatte ich ja schon mal hier beschrieben. Andererseits, wenn keiner mehr die Länder finanziert, ist das wohl die einzige Möglichkeit, sagt man, auch den schwächeren Ländern zu günstigen Zinsen Kredite zu verhelfen. Stimmt das?

Es geht also darum, Kreditgeber zu finden, die etwas kaufen, was sie eigentlich nicht kaufen wollen. Wenn ich hier in GB Live Fussball meiner Lieblingsmannschaft, Tottenham Hotspurs, anschauen will, im Fernsehen, muss ich ein Abonnement mit Sky abschliessen, das mich rund 45 Euro kostet, im Monat. Dafür kann ich die Spiele sehen, die Sky aussucht als Live Übertragungsspiele (nicht alle Premier League Spiele kann man live sehen) und ich werde wohl so auf 12 Live Spiele kommen, pro Saison, bei denen Tottenham Hotspurs mitspielt. Das macht also rund 45 Euro pro Spiel. Zugegeben, ich bekomme in dem Paket, das ich von Sky kaufen kann auch noch andere Sportarten, und vielleicht zusätzliche 50 Programme, die ich aber alle nicht schauen werde.

Kein Wunder, dass ich lieber ins Pub gehe, für die Spiele, wenn ich kann, denn für 45 Euro pro Spiel bekommt man eine ganze Menge warmes, englisches Bier. Heute abend geht es gegen Manchester United, erstes Spiel der Saison für Tottenham, das erste wurde wegen der Krawalle abgesagt.

Nun, Anleihenkäufer haben nicht viele Ausweichmöglichkeiten, die müssen für ihre Lebensversicherungen und Pensionsfonds Anleihen kaufen. Es gibt also immer Nachfrage nach Anleihen, nicht unbedingt für die Staaten bei denen man denkt, dass sie bald Pleite sind, aber auf alle Fälle für Staaten, die als solvent angesehen werden. Da liegen Renditen für zehnjährige Anleihen nun auf absoluten Niedrigniveau, 2,5 und 3%, je nach Land, für zehnjährige Anleihen. Und trotzdem werden sie gekauft. Man darf auch nicht vergessen, das europäische Anleihen für Japaner und Chinesen, Norweger und andere Ölexporteure wichtige Anlagemöglichkeiten sind, um ihre Leistungsbilanzüberschüsse anzulegen.

Wenn alle Euroländer sich jetzt zusammentun würden, und ihre Anleihen so staffeln würden, dass jede Neuausgabe immer Anleihen aller Länder beinhalten würde, würde der Käufer gezwungen, der eigentlich nur Bundesanleihen will, auch griechische, französische, italienische Anleihen zu kaufen. Genauso wie ich gezwungen werde, für das Springreiten auf Sky Sport zu zahlen, oder andere Kanäle, die irgendeinen amerikanischen Serienmüll recyclen.

Also, anstatt Eurobonds, das ist der Vorschlag: Bond Pakete, die jeden Monat aufgelegt werden, die die Staaten dann mit neuer Liquidität versorgen, die sie brauchen, um im wesentlichen alte Anleihen abzulösen, oder Neuverschuldung aufzunehmen. Jedes staatliche Schuldenagentur jedes Landes weiss jetzt schon, wann sie im nächsten Jahr neue Anleihen aufnehmen muss. Diese neuen Anleihen sollten über ein zentrales Pool in Bündel aufgeteilt und vermarktet werden.

Und weil die Eurostaaten dann Monopolanbieter sind, (so wie jetzt quasi Sky Sports) können sie natürlich verlangen, was sie wollen. Sie wollen so wenig wie möglich Zinsen zahlen.

Im Moment werden Anleihen so verkauft, dass man ein Angebot macht, das sich an der Marktrendite orientiert, und potentielle Anleger werden gebeten, Gebote für Anleihen abzugeben. Das führt dazu, dass manche Anleihen, wie zum Beispiel die erste EFSF Anleihe, total überzeichnet war. Neun mal mehr Anleger wollten sie kaufen, zu dem Preis. Das heisst, mit anderen Worten, Anleiher hätten sie auch sicher gekauft, wenn die Zinsen, die sie gezahlt hätten, weniger gewesen wären. Der EFSF hat sich über das Ohr hauen lassen.

In Zukunft würde der Verkäufer die Preise bestimmen, wie Sky Sports jetzt bestimmt, wieviel Fussball im Fernsehen kostet. Und genau so, wie ihr Supermarkt bestimmt, wieviel ein Liter Milch kostet. Also sagen wir mal, der solvensteste Staat (Luxemburg) zahlt 2,5%, der nächst solventeste (Finnland) 2,55%, der drittsolventeste (Deutschland) 2,6%, und Griechenland, als wenig solventester Staat zahlt 3,3%. Somit zahlt der am wenigsten solvente Staat 0,8% mehr für Kredite, als der solventeste. Die Abstufung sollte transparent ermittelt werden. Zum Beispiel könnte man einfach die Staatsverschuldung als Grundlage nehmen, um die Länder einzustufen, oder das Staatsdefizit, oder eine Mischung beider Kennzahlen.

Also als Alternative zu Eurobonds, gibt es Anleihen Pakete, der Preis wird vom Ausgeber bestimmt, den Eurostaaten, und die Risikoeinschätzung wird auch von den Eurostaaten vorgenommen. (Damit werden Ratingagenturen wieder ein Stückchen nutzloser, ein zusätzlicher Vorteil!) Eine vernünftige Lösung,  nachdem sich der Markt absolut ungeeignet in den letzten zehn Jahren gezeigt hat, eine vernünftige Risikoeinschätzung vorzunehmen. Somit wird ihm jetzt die Risikobeurteilung abgenommen, wir, die Eurostaaten machen das.

Also,  die Anleger müssen die Anleihen kaufen. Denn, wie gesagt, sie brauchen die um ihre Pensionsfonds und Lebensversicherungen gegenzufinanzieren. Das Risiko der Staatspleite sollte einfach vom EFSF oder der EZB abgedeckt werden, die bürgen dafür dass auch bei einer Griechenlandpleite die Anleiher nichts verlieren. Gegen eine Gebühr von 0,5% pro Jahr, wenn die Anleger das wollen. Extra Einnahmen, udn endlich mal Konkurrenz für die CDS Ausgeber, die nun Pleite gingen.

Nun muss allerdings die EU/EZB/IWF dafür sorgen, dass langfristig auch die Staatsschulden abgebaut werden, und ein vernünftiger Entschuldungsplan sollte für jedes Euroland aufgelegt werden, um langfristig zu gewährleisten, dass alle Staaten weiter solvent bleiben. Eine EU Bürgschaft sollte natürlich nicht fällig werden. Auf die 60% Maastricht Schuldengrenze sollte langsam, aber sicher zugearbeitet werden.

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