Gerald Braunberger und kantoos sind zweifellos Leute, die viel von Ökonomie verstehen. Trotzdem sagen sie nicht klar und deutlich, was eigentlich jeder sehen kann, und jeder Ökonom weiss, dass Sparen nichts hilft. Wenn Staatsschulden hoch sind, hilft Sparen genau nicht, um sie abzuzahlen. Es ist also genau falsch, was unsere schwäbisch angehauchten Spitzenpolitiker wie Schäuble und Merkel vertreten. Die Politiker haben keinen blassen Schimmer – und Braunberger als FAZ Redakteur vor allem sollte das bestätigen, und immer wieder sagen, denn Merkel und Schäuble lesen wohl eher was er sagt, als was wir hier in den Blogs verzapfen. Ein Staat kann sich nicht gesund sparen, je mehr er versucht zu sparen (indem er Beamte und Staatsangestellte entlässt) wie jetzt in Griechenland oder in Grossbritannien, umso mehr fehlt das Geld in der Volkswirtschaft. Die Leute werden erst mal arbeitslos. Es fehlt vom BIP, was sie vorher produziert haben, und zusätzlich steigen die Staatsausgaben, denn die Arbeitslosigkeit muss finanziert werden.

Das einzige Argument für das Sparen ist eigentlich, wenn die gleichen Leistungen auch ohne Einsparungen gemacht werden können, ist es sinnvoll. Also, wenn Staatsbeschäftige nur Schwätzchen halten, anstatt zu arbeiten, dann kann man sparen. Also, ich weiss nicht wie es in Griechenland ist, aber hier in GB werden Bibliotheken geschlossen, Schulbusse gestrichen, und Polizeibeamte entlassen. Und Studieren kostet nicht mehr £3.000 pro Jahr, sondern ab Oktober nächsten Jahres £9.000 (10.000 Euro). Das senkt den Lebensstandard von Familien, und natürlich Konsum und andere Ausgaben.

Also es klappt nicht in GB, und es klappt nicht in Griechenland, die ja noch viel kräftiger Sparen als in Grossbritannien. Die verpassen sowohl ihre Sparziele, als auch ihre Einnahmeziele, da die Steuerbasis fehlt. Das BIP stagniert bestenfalls (hier in GB), oder fällt rapide, wie in Griechenland.

Andererseits wirken die hohen Arbeitslosenzahlen deflationär auf die Löhne. Löhne fallen gegenüber der Inflationsrate. Für Griechenland ist das der einzige Vorteil (denn die Löhne waren vorher zu stark gestiegen im Vergleich zum Rest der EU, und sollten sich nun anpassen). Nur, wenn keiner mehr Geld hat, Leute einzustellen, hilft dieser Vorteil dann auch nicht mehr, sondern nur über einen längeren Zeitraum. Wenn ausländische Investoren angelockt werden können, die aber wohl wegen der schlechten Presse aus Griechenland wohl eher wegbleiben werden. Es gibt genug andere Länder wo die Leute nicht gegen ihre Regierung demonstrieren, und wo die Aussichten besser sind.

Gibt es einen Zusammenhang, der das auch historisch belegen könnte, dass Sparen nichts bringt? Zeitreihen in Deutschland zu verfolgen über das letzte Jahrhundert helfen hier nicht viel, da wir verschieden Wirtschaftsformen hatten vom Kommunismus in einem Teil, bis zur Räuberwirtschaft und Ausbeutungswirtschaft (in Nazi Deutschland sicherlich, aber vielleicht auch jetzt wieder). Und zwischendrin auch mal eine soziale Marktwirtschaft. Und zwei Währungsreformen und fast ein halbes Dutzend verschiedene Währungen gab es über den Zeitraum natürlich auch noch.

Nicht so in Grossbritannien. Ein Pfund Sterling gab es schon, seit man denken kann, und die Wirtschaft war mehr oder weniger immer schon die Marktwirtschaft. Deshalb ist es ganz interessant mal zu schauen, ob man anhand dieser Statistiken belegen kann, dass steigende Staatsausgaben zu erhöhten Staatsdefiziten führen, und sinkende Staatsausgaben zu kleineren Staatsschulden, wie Schäuble und Merkel das behaupten. 

Aber nein, das Gegenteil ist der Fall.

  • Wenn der Staat spart, steigen die Staatsschulden.
  • Wenn der Staat mehr Geld ausgibt, fallen die Staatsschulden.

Hier der Beweis:

 

 

Das ist richtig: in allen Zeitperioden, wie sie seit 1908 in der Arbeit untersucht werden. Die einzigen Ausnahmen, die Kriegsjahre des 1. und 2. Weltkriegs, in denen Schulden steigen, wenn Ausgaben steigen.

Diese Tabelle kommt aus der Studie “The Economic Consequences of Mr. Osborne”, die Professor Victoria Chick vom University College London und Ann Pattifor vor ein paar Monaten veröffentlichten, die den jetzigen Schatzkanzler Grossbritanniens, George Osborne aufs Korn nimmt, der hier in GB die Sparpolitik verfolgt.

Eine Grafik möchte ich herausgreifen, und mich auf eine Periode nach dem zweiten Weltkrieg konzentrieren. Da stiegen die Staatschulden in Grossbritannien auf fast 245% bis 1947 und fielen danach aber rapide.

Wie halbiert man Staatsschulden? Hier ein Beispiel ohne Schuldenschnitt!

In den 10 Jahren von 1947 bis 1956 halbierten sich die Staatsschulden Grossbritanniens von 245% auf 133% des BIPs. Wieso?

Einerseits fielen sie, weil ab 1947 wieder mehr Geld vom Staat ausgegeben wurde. Das nominale BIP wurde aufrecht erhalten. Es gab keine Arbeitslosigkeit. Und dann fielen sie, weil die Zinsen, die man zahlte 1,6% unter der Inflation lagen, durchschnittlich. Das heisst diejenigen, die die Staatsschulden finanzierten mussten in Kauf nehmen, dass ihre Anleihen mit der Inflation an Wert verloren. Wenn man nur 3,7% Zinsen bekam, die Inflation aber bei 5,3% lag, verloren die Gläubiger tatsächlich jedes Jahr Geld. Ein Mini Schuldenschnitt also. Machten die Banken, die viel von den Schulden finanzierten, das freiwillig? Nein, sie wurden zum Teil dazu gezwungen. Treasury Deposit Receipt hiessen die niedrig verzinsten Instrumente der britischen Schuldenagentur. Und GB musste natürlich auch mit den USA verhandeln, um seine Schulden zu refinanzieren. Die wurden bis in die 70er Jahre abbezahlt, an die USA.

Hier die Datenreihe der Nachkriegsjahre 1945 bis 1957.

Also – hier ist der Lösungsansatz zu suchen. Denn keiner sprach davon dass GBs Schulden nicht tragbar waren nach dem 2. Weltkrieg. Das stand nicht zur Debatte, wahrscheinlich auch nicht, weil es keine Credit Default Swaps oder Spekulanten gab, die die öffentliche Meinung so beeinflussen hätten können.

  1. Also, die Staatsfinanzierung muss von den Banken gemacht werden, und real zu einem Verlust führen. Die Banken finanzieren also zu einem Zinssatz von 0,5% neue Staatsschulden der EU, auch wenn die Inflationsrate in der EU bei 2% liegt. Das sollte man ruhig so gesetzlich festlegen in der EU, für die nächsten 10 Jahre, um somit den Schuldenberg abzubauen.
  2. Wir, die EU, müssen weiterhin Partner der verschuldeten Länder sein, und helfen über einen langen Zeitraum die Schulden abzuzahlen. Wie die USA finanziell GB unterstützte.
  3. Das nominale BIP darf nicht noch mehr fallen in den Staaten, um die Wirtschaft nicht weiter einbrechen zu lassen.
  4. Die Arbeitslosigkeit bekämpfen. Wo sind die Ökonomen die mal was Vernünftiges vorschlagen?
  5. Der Staat (oder für die EU, der Staatenverbund der EU) muss wieder mehr Geld ausgeben, für vernünftige Beschäftigungsprogramme und produktive Investitionen. Oder um die Leistungsbilanzüberschüsse abzubauen, die dann den Peripheriestaaten zu gute kommen. Alle Staaten schauen auf Deutschland, damit Deutschland endlich seinen Konsum erhöht. Wenn man das geschickt macht, könnte man zum Beispiel ganz geziehlt Griechenland oder anderen Ländern helfen, durch Urlaubsgutscheine.

Da wird man lange darauf warten können, bis solche Sachen im Bericht der Troika von IWF/EU/EZB stehen. Die scheinen nicht an Arbeitslosigkeitsabbau interessiert zu sein. Die sollten ihren Bericht abzeichnen, ihre Koffer packen, und abreisen.

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