Ein kurzer Beitrag heute, der hauptsächlich auf dem Bericht beruht, den die OECD im August über Griechenland geschrieben hatte. Ich hab nur mal die relativ guten Nachrichten dort herausgegriffen:
1) Das Haushaltsdefizit wurde von etwa um 5% des BIPs gekürzt in 2010 – bemerkenswert angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen – das bedeutet, dass die strukturellen Anpassungen noch größer als die 5% waren. In den letzten dreissig Jahren hat kein anderes OECD Land eine solche budgetäre Verbesserung in einem einzigen Jahr geschafft. Das 2010 Defizitziel wurde nur um ½ Prozent des BIPs verfehlt, obwohl Steuerhinterziehung weiter ein Problem blieb, und die Rezession grösser war, als man erwartet hatte.
2) Das Leistungsbilanzdefizit reduzierte sich innerhalb von 2 Jahren von über 14% auf etwa 10%, das Handelsbilanzdefizit von 11% auf etwa 6% des BIPs.
3) Selbst in einem negativen Szenario, in dem Griechenland nur eine langfristige Wachstumsrate von durchschnittlich 1,7% schafft, nur 15 Mrd Euro durch Privatisierungsverkäufe erlöst, und Zinsen für neue Anleihen zahlt die zwischen 7% und 8% liegen, schafft es Griechenland seine Staatsschulden von einem Hoch von 160% bis 2035 auf unter 100% des BIPs abzutragen.
4) Im Jahr 2012 soll Griechenland wieder wachsen, wenn die ersten Investitionen durchschlagen, und Exporte sich weiter erhöhen. Durch erhöhte Wettbewerbsfähigkeit stiegen Exporte schon in den Monaten bis März 2011. Die Inflation war schon jetzt nahe Null, wenn man die Effekte einer Steuererhöhung heraus rechnet.
5) Die Lohnsumme für den öffentlichen Dienst betrug 2010 11,7% des BIPs. Der Durchschnitt der Euroländer betrug 10,6%. Griechenland hatte etwa 17% der Erwerbstätigen im öffentlichen Dienst. Grossbritannien (19%), Kanada (20%) und Frankreich (23%) wesentlich mehr.
6) Die Rentenreform 2010 hat die öffentlichen Renten zurückgefahren, so dass die Rentenbezüge nun vergleichbar mit anderen OECD Ländern sind.
7) Viele der Strukturreformen sind durchgezogen worden, die Hürden für Unternehmer sind jetzt vergleichbar mit dem OECD Durchschnitt. Regulative und behördliche Barrieren wurden abgebaut (und sind jetzt weit unter dem Durchschnitt und nur etwas ein Fünftel so hoch wie zum Beispiel in Deutschland).
8 ) Der öffentliche Dienst ist reformiert worden. (Die erst vor kurzem in Griechenland angekündigten Entlassungen und weiteren Kürzungen werden hier gar nicht angesprochen.) Viele Berufszweige sind liberalisiert worden. So ist es jetzt einfacher in Berufe einzusteigen, als in Deutschland.
9) Das überregulierte Transportwesen, insbesondere für den Straßentransport wurde liberalisiert, und muss sich nun dem Wettbewerb stellen.
10) Investitionen in Wachstumsbranchen und Export orientierte Industrien sollen durch niedrigere Steuern und Subventionszahlungen gefördert werden, die insgesamt rund 3 Mrd Euro ausmachen sollen.
Wenn man nur das liest, wird klar, dass viele der Strukturreformen, die angesprochen worden sind, schon durchgeführt wurden. Die OECD Ökonomen versprechen sich Erfolg von diesen Massnahmen, sagen aber auch, das noch mehr gemacht werden könnte. Vielleicht ist der vorsichtige Optimismus berechtigt, denn auch die Troika von EU/EZB/IWF hat ja gestern einen verhaltenen, aber eher positiven Bericht abgegeben, der die 8 Mrd Zahlung wohl sichert.
Es ist klar, dass es viele Probleme noch gibt, die ich nicht ansprechen möchte, nicht weil ich sie ausblenden will, aber es genug andere Webseiten und Berichte gibt die auf die verfahrene Lage in Griechenland aufmerksam machen. (Dass viele wohl auch ein persönliches oder professionelles Interesse an einer Pleite Griechenlands haben, kann man an der Reaktion des FT alphaville blogs sehen gestern, die über den Bericht der Troika nur so herziehen, und es wahrscheinlich lustig, und vielleicht auch finanziell interessant finden, wenn ein Land Pleite geht!)
Ist es in so einem Zusammenhang also, wo Griechenland viele gute Schritte getan hat, vieles was man von Griechenland gefordert hat, nötig, von einem Schuldenschnitt zu sprechen? Der Instabilität in die Wirtschaft bringt, und der dann eine teure Bankenrekapitalisierung voraussetzt? Diese unverantwortlichen Wege gehen Rösler, Brüderle, Merkel, Sarkozy, Schäuble, Juncker seit dem Wochenende. Was sie nicht sagen: Es wäre an der Zeit die Griechenlandschulden von der EZB günstig aufkaufen zu lassen, jetzt ist ein guter Zeitpunkt. Um dann die Zinsen, als Dank für die Anstrengungen der letzten 18 Monate, runterzusetzten. Das sollte man machen. Davon spricht keiner der Politiker – warum nicht?
Die Politiker wollen, wie alle CDS Investoren auch, anscheinend einen Schuldenschnitt. Der würde Hedgefonds und Spekulanten belohnen, und die Plutokratie in Griechenland, die ihr Vermögen, mindestens 280 Mrd Euro, in Schweizer Bankkonten hat. Diese Summe könnte leicht für die griechischen Staatschulden herangezogen werden, wenn man wollte.
Aber nein, die Politiker in Europa haben andere Pläne: Zahlen könnte der Steuerzahler mal wieder für die Verluste der EZB, der Troika und der Banken nach einem Schuldenschnitt. Wir haben es bis oben hin mit Politikern, die mit den Ackermännern und Sorosen dieser Welt gemeinsame Sachen machen, und absolut nichts machen um den Finanzsektor zu regulieren. Und wir wünschten uns natürlich auch Medien, die auf diese Gefahr und die Ungerechtigkeit dieser weiteren Verteilung zu Gunsten der Plutokratie aufmerksam machen.
Bis dahin muss man halt mal hier vorbeischauen, was wirklich abläuft.
@ matt_us,
offenbar stellt sich die „Troika“ allen Ernstes vor, den Anteil der griechischen Schattenwirtschaft zu senken und gleichzeitig die Steuer- und Abgabenlast zu erhöhen. Die neoliberale Schocktherapie kann aktuell deshalb diese kurzfristigen „Erfolge“ in Griechenland vorzeigen, weil der Anteil der Schattenwirtschaft in Griechenland (am BIP in %) 2002 mit 28% an der Spitze aller OECD-Länder liegt, weit vor Deutschland: mit 16,5% Schattenwirtschaftsanteil.
Übrigens ist in ALLEN OECD-Ländern seit 1990 der Anteil der Schattenwirtschaft am BIP deutlich gestiegen, im Durchschnitt um 4%-Punkte. Spitzenreiter bei der Schattenwirtschaftquote waren etwa 2002 Griechenland, Italien, Spanien, Portugal. Fällt da was auf ? Die Steuer-/Abgabenlast in Prozent des BIP lag in Griechenland, Italien, Spanien, Portugal z.T. deutlich über dem Durchschnitt aller OECD-Staaten. Je höher die Steuer- und Abgabenlast, umso größer die Schattenwirtschaft.
http://www.iwkoeln.de/Portals/0/pdf/trends04_03_1.pdf
„Die Politiker wollen, wie alle CDS Investoren auch, anscheinend einen Schuldenschnitt. Der würde Hedgefonds und Spekulanten belohnen, und die Plutokratie in Griechenland, die ihr Vermögen, mindestens 280 Mrd Euro, in Schweizer Bankkonten hat. Diese Summe könnte leicht für die griechischen Staatschulden herangezogen werden, wenn man wollte.“
Diese von einem griechischen Finanzstaatssekretär bestätigte Summe von € 280 Mrd. in der Schweiz ist erstmal sicher. Spiros Latsis etwa (Studienkollege von Papandreou und Barroso) hat sein Vermögen in die EU gebracht (wg Rettungsschirm) und sein Kumpel Papandreou ist nur an CDS interessiert:
„Am schwersten gebeutelt wurde die im Familienbesitz stehende EFG Group. Sie hielt griechische Staatsanleihen im Umfang von zig Milliarden Euro. Als die hellenischen Bonds in den freien Fall übergingen, wurde der Holdingsitz von der Schweiz nach Luxemburg verlegt, damit die Bankengruppe von Spiro Latsis an den Topf mit EU-Rettungsgeldern kommen würde. Die Griechenlandkrise hat im Familienvermögen tiefe Furchen gezogen. 2007 schätzte BILANZ das Eigentum des Clans auf 13 bis 14 Milliarden Franken. Seither schmolz das Familiensilber um nicht weniger als neun Milliarden.“
http://www.bilanz.ch/people/die-reichsten/tiefe-furchen-im-familienvermoegen
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/europas-schuldenkrise/griechenland-die-finanzmaerkte-spekulieren-auf-eine-staatspleite-1967334.html
http://www.berliner-zeitung.de/newsticker/barroso-in-erklaerungsnot,10917074,10277260.html
http://der-klare-blick.com/2011/05/papandreou-klaut-23-milliarden/
Interessante Anschuldigungen in der-klare-blick.com
Wenn das stimmt, ein Skandal, das da nicht weiter drueber berichtet wird. Solche Anschuldigungen (Papandreou hat sich CDS zugelegt, nachdem er der Postbank befahlt sie zu verkaufen), wenn sie berchtigt sind, muessten sich ja nachpruefen lassen.
Was sagen denn die Herren von der FDP zu sowas, Schaeffler/Bruederle/Roesler dazu – an einer Aufklaerung muessten doch gerade die interessiert sein!
[...] [...]
@ matt_us:
Bei den Credit Default Swaps gibt es Kapitalbesitzer bzw. Finanzintermediäre, die diese Kreditversicherungen (bzw. ohne Kreditgrundlage: Spekulationspapiere) kaufen: die mögen ja einen Schuldenschnitt wollen.
Wieso klären Sie Ihre Lesern aber nicht darüber auf, dass denen die die Interessen der CDS-Verkäufer aus den gleichen Kreisen diametral entgegen stehen?
Und dass die griechische Plutokratie von einem Schuldenschnitt profitiert, ist eine Behauptung ins Blaue; eine Erklärung kann ich dafür bei Ihnen nicht finden.
“Wieso klären Sie Ihre Lesern aber nicht darüber auf, dass denen die die Interessen der CDS-Verkäufer aus den gleichen Kreisen diametral entgegen stehen?”
Es ist keine faire Wette, so als wenn wir 100 Euro wetten wuerden, Sie sagen es kommt ein Schuldenschnitt, ich sage es kommt keiner.
Also, dass ist nicht gleich (mal ganz kurz):
- wir koennen das nicht beeinflussen, so wie Soros und die anderen Hedgefonds, die nur Werbung fuer Pleite und Schuldenschnitt machen (siehe FT alphaville, FAZ, Bild)
- Banken (die CDS verkaufen) haben ein Interesse jetzt Gewinn zu verbuchen, das kann man indem man CDS verkauft. Ohne dafuer Kapital zu hinterlegen. Denen ist relativ egal was in 2 Jahren ist, wenn die Bank Pleite ist deswegen. Sie sind nicht die Eigentuemer der Bank, nur die Manager, oder die Trader. Groesster Verlust – Job verloren, wahrscheinlich mit Abfindung und schoener Pension. Wenn die Bank gross oder wichtig genug ist, wird sie gerettet werden.
- Hedgefonds (die CDS kaufen) spielen mit z.T. ihrem eigenen Geld, da wird dann alles und jeder bestochen, oder Propaganda gemacht. Die oeffentliche Meinung will ja die Propaganda hoeren. (Griechen faul und korrupt, Fass ohne Boden, Euro funktioniert nie im Leben, Griechen koennen nie Schulden abzahlen) Denen geht es ums Geld. Die wissen Banken werden gerettet werden (um CDS zu bezahlen), deshalb macht der Soros ja auch Werbung dafuer.
- Alleine die Tatsachen dass Wetten abgeschlossen werden, beeinflussen den Ausgang der Wette (Koordinierte Verkauefe von Anleihen -> Renditen ziehen an -> Ratingagenturen werten ab -> CDS Preise ziehen an) kann ich als Hedgefond die Wette zu Gunsten der CDS Kaeufer beeinflussen.
Und mit CDS kann ich mit kleinem Einsatz Riesengewinne machen.
Und – die Plutokraten aus Griechenland mit dem Geld in der Schweiz profitieren von einem Schnitt, weil man sie wohl dann nicht belangen wird, durch eine Vermoegensteuer, wenn 50% der Schulden abgeschrieben worden sind.
“Und – die Plutokraten aus Griechenland mit dem Geld in der Schweiz profitieren von einem Schnitt, weil man sie wohl dann nicht belangen wird, durch eine Vermoegensteuer, wenn 50% der Schulden abgeschrieben worden sind.”
Wie soll ich das verstehen? Glauben Sie ernsthaft, dass die griechischen Plutokraten ihr ganzes Vermögen in Anleihen ihres eigenen Landes investiert haben?
Und selbst wenn es so wäre: Glauben Sie, die reiten darauf, davon 50% abschreiben zu “dürfen”, damit sie in Griechenland nicht besteuert werden?
Seltsame Logik!
“Die oeffentliche Meinung will ja die Propaganda hoeren. (Griechen faul und korrupt, Fass ohne Boden, Euro funktioniert nie im Leben, Griechen koennen nie Schulden abzahlen) .”
Ach ja? Alles nur Propagandaerfindungen, die griechischen Fakelakis? Sind Sie wirklich so blauäugig, matt_us, oder tun Sie nur so? Und glauben Sie allen Ernstes, dass die Griechen ihre Schulden (selbst wenn auf 50% reduziert!) zurückzahlen können – oder wollen? Aber hallo!
Ich meine, ob die Griechen faul sind oder nicht, ist relativ egal: auf jeden Fall konsumiert dieses Volk mehr als es produziert. Und ich will nicht der Idiot sein, der denen die Differenz finanziert!
(Weiteres vgl. meine heutigen Kommentare – auch zu Ihrem dortigen Beitrag – bei Kantoos, “10 Fakten …”.)
“Banken (die CDS verkaufen) haben ein Interesse jetzt Gewinn zu verbuchen, das kann man indem man CDS verkauft. Ohne dafuer Kapital zu hinterlegen. Denen ist relativ egal was in 2 Jahren ist, wenn die Bank Pleite ist deswegen.”
Na ja, ich will gewiss nicht die Bankster in Schutz nehmen, aber ganz so kriminell sind die denn doch nicht. Den Händlern mag es ja egal sein; dem Vorstand aber ganz bestimmt nicht. Und eine Bankenaufsicht gibt es auch noch. Die hat zwar bei den amerikanischen Schrotthypotheken versagt; aber den Verkauf unendlicher Mengen von CDS’ würden die mit Sicherheit nicht tolerieren.
Mag schon sein, dass Soros bei einer Pleite von den CDS-Verkäufern kassieren würde; aber wenn Obama Merkel zur Euro-Rettung auffordert habe ich eher den Eindruck, dass die US-Banken die CDS’ verhökert haben – und ihren politischen Arm einsetzen, um zwar die Prämien zu kassieren, sich aber im Versicherungsfall um die Leistung zu drücken.
Und außerdem: warum haben denn unsere (und die französischen usw.) Banken keine CDS’ gekauft?
- griechische Millionaere und Milliardaere haben ihr Geld im ausland. Nicht in griechischen Anleihen. Alleine rund 130% des BIPs ist auf Sparkonten in der Schwiez. Die griechen sollen das besteeurn, und nicht den europaeischen Stueerzahler heranziehn, der nach einem Schuldenschnitt zahlen muss.
- Korruption in griechenland ist ein Problem, und wird zB auch von Siemens finanziert, und das ueberkonsummiert wurde auch – aber die Differenz wurde ueber 10 Jahre von der EU finanziert. (UPDATE: Und vor allem einem Ansteigen der Staats- und Privatverschuldung!)Die EZB schritt nicht ein. Die Griechen schummelten. die Deutschen haben es abgenickt. Und keinen hat es gestoert, bis es zum Crash kam. Jetzt nur den Griechen alles zuzuschieben, ist ein wenig billig. Wenn sie nicht helfen wollen, koennen sie gerne fuer eine Griechenlandpleite Werbung machen, und dann alle Knsequenzen mit einbeziehen (Finanzstabilitaet geht floeten) ich halte es aber besser den Griechen zu helfen. Wenn wir das nicht hinbekommen, dann brauchen wir auch keine EU (die ich fuer ein gutes Konstrukt halte, aber da fehlt nur noch was Archittektur.)
- Warum nicht alle Banken CDS kaufen – wahrscheinlich weil es einfacher ist, Anleihen einfach abzustossen – und auch billiger. Nur wenn man damit zocken will, sollte man die kaufen. Aber sie haben wohl Recht, die meisten CDS sind in den USA unterwegs – da schrieib ich mal demnaechst was darueber. Und die Amerikaner wollen deshalb wohl auch einen Rettungsschirm – das stimmt auch.