Die folgende Grafik ist eigentlich sehr bemerkenswert. Sie zeigt die CDS Preise, die bezahlt werden müssen jedes Jahr, um Griechenlandanleihen über einen 5 Jahres Zeitraum zu versichern. Aber auch wie die Preise wohl total manipuliert und überzogen sind – und in keiner Relation zur Realität. Der Grund warum die, die über CDS bestimmen, die in die Höhe treiben, ist natürlich um die Anleihenrenditen zu verteuern – um dann die CDS zur Auszahlung zu bringen.

Dieses Bild kommt von Bloomberg – hier das Original.

Die Preise für CDS (um – theoretisch – 100 Euro Kreditrisiko zu versichern) waren etwa 6,5% p.a. im Oktober letzten Jahres. Pro 100 Euro Versicherungssumme, kostete ein CDS also 6,50 Euro pro Jahr Versicherungsprämie. Die Preise stiegen dann langsam aber sicher auf 25%, kurz bevor man sich in Europa über weitere Griechenlandhilfen einigte, im Juli. Sie fielen dann auf 16%, stiegen dann wieder bis August auf 22%. Im September verdoppelten sich die CDS Preise dann innerhalb zwei Wochen auf 50%, um dann zwei Tage später auf 35% zu fallen. Jetzt ist der Preis 0. Es scheint keine 5 jährigen CDS mehr zu geben.

Kann mir mal einer sagen was hier passiert ist? Wie kann man einen Preis angeben, der Griechenlandanleihen versichert für 5 Jahre, der 50% der Kreditsumme beträgt? Diesen Betrag müsste man jedes Jahr für die nächsten 5 Jahre zahlen. Damit ist wohl ganz klar, dass es sich hier nur um Zockerinstrumente handelt. Denn wenn man jedes Jahr, für 5 Jahre 50% der Schuldensumme als CDS Prämie zahlen muss, hat man insgesamt (5 mal 50) 250 Euro ausgegeben, um 100 Euro Kredit zu versichern! Wenn noch einmal einer sagt, bei CDS handelt es sich um Kreditversicherungen, zeigen Sie ihm mal diese Rechnung. Das kann ja nicht sein!

 

Wie kann man als CDS Ausgeber mit CDS Geld verlieren, ohne dass ein Land Pleite geht?

Wie kann man eigentlich Geld verlieren mit CDS? Ohne dass es überhaupt eine Pleite gegeben hat? Das scheint zu gehen, wenn man dem Economist und den Deutschen Mittelstandsnachrichten glaubt, die den Grund der Verluste der Ersten Bank aus Österreich in CDS vermuten, die die Erste für Perpheriländer geschrieben hat. (Und auch bei DEXIA sagt man, dass der Grund ihrer Staatsübernahme die Verluste mit CDS sind – aber das scheinen nur Gerüchte zu sein. Die könnten natürlich aus dem Weg geräumt werden, würde man die wirklichen Gründe der DEXIA Pleite veröffentlichen – aber hier bleibt alles schön unter dem Teppich. Die Medien nehmen ihre Aufklärungsfunktion nicht wahr.)

Wir wissen, dass die Erste auf jeden Fall Probleme mit ihren CDS hatte – obwohl bis jetzt zu keiner Staatspleite kam. Gehen wir das Problem mal theoretisch an. Gehen wir wir mal davon aus die Erste hat vor 5 Jahren CDS an einen Hedgefond verkauft. Falls Griechenland Pleite geht, muss die Bank 5 Mrd auszahlen, der Hedgefond zahlt dafür jedes Jahr 25 Mill Euro Gebühren an die Erste (Das sind 0,5% pro Jahr, so niedrig waren die CDS Raten vor 5 Jahren! ~100 mal weniger als vor 4 Wochen!) . Die Erste ist diese Wette eingegangen, denn sie glaubte, vor 5 Jahren, 2006 also, dass die Wahrscheinlichkeit, dass Griechenland Pleite geht 2% ist. Sie kassiert also 125 Millionen Gebühren, und rechnete mit einem Wahrscheinlichkeitswert einer Griechenlandpleite, die 100 Mio kosten würde. (100 Mio sind 2% von 5 Mrd)

Schauen wir uns mal eine Bank Bilanz an.

Auf der einen Seite stehen die Kredite (Aktiva). Die sind finanziert von Einlagen, also unseren Spargeldern, und Eigenkapital. (Passiva). Wie sah die Bilanz aus, als die Bank die CDS verkauft hat, vor fünf Jahren (vereinfacht)?

Wie werden CDS bilanziert? Die werden wohl mit ihrem Wert auf der Einlagen Seite der Bank Bilanz geführt werden. Denn die müssen gezahlt werden an andere, wenn der Schadensfall eintritt. Genauso wie die Spareinlagen zurückgezahlt werden müssen.

Mit welchem Wert werden die CDS bilanziert? Das sollte der Wert der CDS sein, idealerweise, den die Geschäftsführer und die Wirtschaftsprüfer für angemessen halten, um das Risiko der Bank darzustellen. (Das gilt allgemein, wie genau die Regeln sind, da hab ich keine Ahnung, aber da scheint Spielraum zu herrschen, und man schaut da auf die CDS Preise – es wird nach dem Fair Value Prinzip bilanziert. Pi mal Daumen, also!)

Also das war vor 5 Jahren. Schauen wir uns mal die imaginäre Bilanz einer Bank heute an, nachdem die CDS Preise von 0,5% auf 50% geklettert sind. Nehmen wir mal an, dieser CDS Preis von 50%, wie der ja am 14. September war, würde signalisieren, dass die Wahrscheinlichkeit, dass die CDS ausgezahlt werden müssen auf 60% steigt, von den 2% vor 5 Jahren. Die CDS müssten nun so in der Bilanz stehen (wir gehen davon aus, dass sich sonst nichts verändert hat, in der Bilanz in 5 Jahren):

Die Verluste, die durch die Wertberichtigung des CDS entstehen, müssen vom Eigenkapital aufgefangen werden. Das Eigenkapital der Bank schrumpft. Und so haben die Aktiva und die Passiva Seiten der Bilanz wieder den gleichen Wert.

 Ist die Bank nun insolvent?

Die Bank ist nur insolvent, wenn sie ihre Schulden nicht mehr zeitgerecht bezahlen kann, und wenn sie nicht mehr ihre regulativen Anforderungen erfüllen kann. Vor 5 Jahren war die Eigenkapitalquote 10% (Eigenkapital 20 geteilt durch Bilanzsumme 200). Jetzt, nach der Wertberichtigung des CDS  ist die Eigenkapitalquote auf  8,6% gefallen. Im Moment schlägt die EU Bankenaufsicht vor, die Eigenkapitalquote auf 9% zu erhöhen. Wenn die Bankaktionäre nicht zusätzliches Kapital  einzahlen, kann die Bank nicht ihre Eigenkapitalquote erfüllen.

Hat die Bank ein Liquiditätsproblem?

Das kommt darauf an, ob sie die Forderungen, die durch CDS entstehen, bezahlen kann. Die Forderungen werden aber nicht nur nach einer Umschuldung (Credit Event) Griechenlands fällig, sondern auch schon vorher.  Je höher CDS Preise werden, umso wahrscheinlicher ist es nämlich, dass die Pleite eintritt. Die Käufer von CDS wissen das und wollen Sicherheiten haben, die festlegen, dass der CDS Verkäufer (Bank), dem Käufer (Hedgefond) ab einem gewissen CDS Preis schon mal einen Vorschuss auf die Versicherungssumme zahlt. Das ist der berühmt, berüchtigte “Margin Call”.

Es kann also hier durchaus sein, dass die Bank 3 Mrd zahlen muss, sobald die CDS Rate auf 50% gestiegen ist. Das kommt auf den CDS Vertrag zwischen Käufer und Verkäufer an.

Hier in unserem Beispiel hat die Bank Bargeld, um die 3 Mrd auszuzahlen und hat ken Liquiditätsproblem.

Die folgenden Fragen bleiben hier allerdings unbeantwortet:

1) Wie kann es sein, dass Anfang September schon die CDS derart in die Höhe getrieben werden, mit welcher Berechtigung? Um dann einen Monat spaeter auf Null zu stehen? Ausser, dass man mit hohen CDS Preisen immer mehr Geld verdienen kann, indem man den Markt manipuliert. Ist das eine reine Manipulation der Preise derer, die an hohen CDS Preisen interessiert sind, das Oligopol MarkIt z.B., (also die Vereinigung grosser Investment Banken die in CDS handeln)?

2) Was passiert, nachdem ein Margin Call gemacht wurde? (Also die Bank muss 3 Mrd an den Hedgefond zahlen, weil CDS Preise auf 50% steigen, obwohl Griechenland noch gar nicht seine Zahlungsunfähigkeit erklärt hat.) Wurden solche Margin Calls gemacht, bevor die CDS Preise von 50% auf jetzt 0 gehen. Was ist hier los? Hat man die CDS Preise absichtlich in die Höhe getrieben? Wieviel CDS ausgebenden Banken mussten solche Margin Calls machen, von Banken an Hedgefonds, auf Grund der steigenden CDS Preise? Weiss die Bankenaufsicht das? Interessiert sie sich dafür? Oder haben die CDS Verluste der Ersten in Österreich einen anderen Grund?

3) Wieso interessiert sich hier keiner? Denn, wie gesagt, die Erste Bank scheint genau in so etwas verwickelt worden zu sein. Denn auf einmal musste sie eine “ad hoc” 1,6 Mrd Euro Berichtigung vornehmen in ihrer Bilanz, die zu einem Verlust führte. Das sollte doch mal unsere Finanzjournalisten stutzig machen. 

Und auch die, die über die Übernahme DEXIAs durch Belgien und Frankreich etwas geschrieben  haben, sagen nicht genau woran die DEXIA gescheitert ist. Will man hier nicht herausbekommen, was wirklich zu der Insolvenz und Staatsübernahme führte? Das ist doch interessant, denn vielleicht kann man deren Fehler in anderen Banken vermeiden. Ich glaube, hier haben Finanzjournalisten noch was zu tun.

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