Die folgende Grafik ist eigentlich sehr bemerkenswert. Sie zeigt die CDS Preise, die bezahlt werden müssen jedes Jahr, um Griechenlandanleihen über einen 5 Jahres Zeitraum zu versichern. Aber auch wie die Preise wohl total manipuliert und überzogen sind – und in keiner Relation zur Realität. Der Grund warum die, die über CDS bestimmen, die in die Höhe treiben, ist natürlich um die Anleihenrenditen zu verteuern – um dann die CDS zur Auszahlung zu bringen.
Dieses Bild kommt von Bloomberg – hier das Original.
Die Preise für CDS (um – theoretisch – 100 Euro Kreditrisiko zu versichern) waren etwa 6,5% p.a. im Oktober letzten Jahres. Pro 100 Euro Versicherungssumme, kostete ein CDS also 6,50 Euro pro Jahr Versicherungsprämie. Die Preise stiegen dann langsam aber sicher auf 25%, kurz bevor man sich in Europa über weitere Griechenlandhilfen einigte, im Juli. Sie fielen dann auf 16%, stiegen dann wieder bis August auf 22%. Im September verdoppelten sich die CDS Preise dann innerhalb zwei Wochen auf 50%, um dann zwei Tage später auf 35% zu fallen. Jetzt ist der Preis 0. Es scheint keine 5 jährigen CDS mehr zu geben.
Kann mir mal einer sagen was hier passiert ist? Wie kann man einen Preis angeben, der Griechenlandanleihen versichert für 5 Jahre, der 50% der Kreditsumme beträgt? Diesen Betrag müsste man jedes Jahr für die nächsten 5 Jahre zahlen. Damit ist wohl ganz klar, dass es sich hier nur um Zockerinstrumente handelt. Denn wenn man jedes Jahr, für 5 Jahre 50% der Schuldensumme als CDS Prämie zahlen muss, hat man insgesamt (5 mal 50) 250 Euro ausgegeben, um 100 Euro Kredit zu versichern! Wenn noch einmal einer sagt, bei CDS handelt es sich um Kreditversicherungen, zeigen Sie ihm mal diese Rechnung. Das kann ja nicht sein!
Wie kann man als CDS Ausgeber mit CDS Geld verlieren, ohne dass ein Land Pleite geht?
Wie kann man eigentlich Geld verlieren mit CDS? Ohne dass es überhaupt eine Pleite gegeben hat? Das scheint zu gehen, wenn man dem Economist und den Deutschen Mittelstandsnachrichten glaubt, die den Grund der Verluste der Ersten Bank aus Österreich in CDS vermuten, die die Erste für Perpheriländer geschrieben hat. (Und auch bei DEXIA sagt man, dass der Grund ihrer Staatsübernahme die Verluste mit CDS sind – aber das scheinen nur Gerüchte zu sein. Die könnten natürlich aus dem Weg geräumt werden, würde man die wirklichen Gründe der DEXIA Pleite veröffentlichen – aber hier bleibt alles schön unter dem Teppich. Die Medien nehmen ihre Aufklärungsfunktion nicht wahr.)
Wir wissen, dass die Erste auf jeden Fall Probleme mit ihren CDS hatte – obwohl bis jetzt zu keiner Staatspleite kam. Gehen wir das Problem mal theoretisch an. Gehen wir wir mal davon aus die Erste hat vor 5 Jahren CDS an einen Hedgefond verkauft. Falls Griechenland Pleite geht, muss die Bank 5 Mrd auszahlen, der Hedgefond zahlt dafür jedes Jahr 25 Mill Euro Gebühren an die Erste (Das sind 0,5% pro Jahr, so niedrig waren die CDS Raten vor 5 Jahren! ~100 mal weniger als vor 4 Wochen!) . Die Erste ist diese Wette eingegangen, denn sie glaubte, vor 5 Jahren, 2006 also, dass die Wahrscheinlichkeit, dass Griechenland Pleite geht 2% ist. Sie kassiert also 125 Millionen Gebühren, und rechnete mit einem Wahrscheinlichkeitswert einer Griechenlandpleite, die 100 Mio kosten würde. (100 Mio sind 2% von 5 Mrd)
Schauen wir uns mal eine Bank Bilanz an.
Auf der einen Seite stehen die Kredite (Aktiva). Die sind finanziert von Einlagen, also unseren Spargeldern, und Eigenkapital. (Passiva). Wie sah die Bilanz aus, als die Bank die CDS verkauft hat, vor fünf Jahren (vereinfacht)?
Wie werden CDS bilanziert? Die werden wohl mit ihrem Wert auf der Einlagen Seite der Bank Bilanz geführt werden. Denn die müssen gezahlt werden an andere, wenn der Schadensfall eintritt. Genauso wie die Spareinlagen zurückgezahlt werden müssen.
Mit welchem Wert werden die CDS bilanziert? Das sollte der Wert der CDS sein, idealerweise, den die Geschäftsführer und die Wirtschaftsprüfer für angemessen halten, um das Risiko der Bank darzustellen. (Das gilt allgemein, wie genau die Regeln sind, da hab ich keine Ahnung, aber da scheint Spielraum zu herrschen, und man schaut da auf die CDS Preise – es wird nach dem Fair Value Prinzip bilanziert. Pi mal Daumen, also!)
Also das war vor 5 Jahren. Schauen wir uns mal die imaginäre Bilanz einer Bank heute an, nachdem die CDS Preise von 0,5% auf 50% geklettert sind. Nehmen wir mal an, dieser CDS Preis von 50%, wie der ja am 14. September war, würde signalisieren, dass die Wahrscheinlichkeit, dass die CDS ausgezahlt werden müssen auf 60% steigt, von den 2% vor 5 Jahren. Die CDS müssten nun so in der Bilanz stehen (wir gehen davon aus, dass sich sonst nichts verändert hat, in der Bilanz in 5 Jahren):
Die Verluste, die durch die Wertberichtigung des CDS entstehen, müssen vom Eigenkapital aufgefangen werden. Das Eigenkapital der Bank schrumpft. Und so haben die Aktiva und die Passiva Seiten der Bilanz wieder den gleichen Wert.
Ist die Bank nun insolvent?
Die Bank ist nur insolvent, wenn sie ihre Schulden nicht mehr zeitgerecht bezahlen kann, und wenn sie nicht mehr ihre regulativen Anforderungen erfüllen kann. Vor 5 Jahren war die Eigenkapitalquote 10% (Eigenkapital 20 geteilt durch Bilanzsumme 200). Jetzt, nach der Wertberichtigung des CDS ist die Eigenkapitalquote auf 8,6% gefallen. Im Moment schlägt die EU Bankenaufsicht vor, die Eigenkapitalquote auf 9% zu erhöhen. Wenn die Bankaktionäre nicht zusätzliches Kapital einzahlen, kann die Bank nicht ihre Eigenkapitalquote erfüllen.
Hat die Bank ein Liquiditätsproblem?
Das kommt darauf an, ob sie die Forderungen, die durch CDS entstehen, bezahlen kann. Die Forderungen werden aber nicht nur nach einer Umschuldung (Credit Event) Griechenlands fällig, sondern auch schon vorher. Je höher CDS Preise werden, umso wahrscheinlicher ist es nämlich, dass die Pleite eintritt. Die Käufer von CDS wissen das und wollen Sicherheiten haben, die festlegen, dass der CDS Verkäufer (Bank), dem Käufer (Hedgefond) ab einem gewissen CDS Preis schon mal einen Vorschuss auf die Versicherungssumme zahlt. Das ist der berühmt, berüchtigte “Margin Call”.
Es kann also hier durchaus sein, dass die Bank 3 Mrd zahlen muss, sobald die CDS Rate auf 50% gestiegen ist. Das kommt auf den CDS Vertrag zwischen Käufer und Verkäufer an.
Hier in unserem Beispiel hat die Bank Bargeld, um die 3 Mrd auszuzahlen und hat ken Liquiditätsproblem.
Die folgenden Fragen bleiben hier allerdings unbeantwortet:
1) Wie kann es sein, dass Anfang September schon die CDS derart in die Höhe getrieben werden, mit welcher Berechtigung? Um dann einen Monat spaeter auf Null zu stehen? Ausser, dass man mit hohen CDS Preisen immer mehr Geld verdienen kann, indem man den Markt manipuliert. Ist das eine reine Manipulation der Preise derer, die an hohen CDS Preisen interessiert sind, das Oligopol MarkIt z.B., (also die Vereinigung grosser Investment Banken die in CDS handeln)?
2) Was passiert, nachdem ein Margin Call gemacht wurde? (Also die Bank muss 3 Mrd an den Hedgefond zahlen, weil CDS Preise auf 50% steigen, obwohl Griechenland noch gar nicht seine Zahlungsunfähigkeit erklärt hat.) Wurden solche Margin Calls gemacht, bevor die CDS Preise von 50% auf jetzt 0 gehen. Was ist hier los? Hat man die CDS Preise absichtlich in die Höhe getrieben? Wieviel CDS ausgebenden Banken mussten solche Margin Calls machen, von Banken an Hedgefonds, auf Grund der steigenden CDS Preise? Weiss die Bankenaufsicht das? Interessiert sie sich dafür? Oder haben die CDS Verluste der Ersten in Österreich einen anderen Grund?
3) Wieso interessiert sich hier keiner? Denn, wie gesagt, die Erste Bank scheint genau in so etwas verwickelt worden zu sein. Denn auf einmal musste sie eine “ad hoc” 1,6 Mrd Euro Berichtigung vornehmen in ihrer Bilanz, die zu einem Verlust führte. Das sollte doch mal unsere Finanzjournalisten stutzig machen.
Und auch die, die über die Übernahme DEXIAs durch Belgien und Frankreich etwas geschrieben haben, sagen nicht genau woran die DEXIA gescheitert ist. Will man hier nicht herausbekommen, was wirklich zu der Insolvenz und Staatsübernahme führte? Das ist doch interessant, denn vielleicht kann man deren Fehler in anderen Banken vermeiden. Ich glaube, hier haben Finanzjournalisten noch was zu tun.



@ Matt_us,
sehr interessante Betrachtung. Noch interessanter wäre es, wenn deine Betrachtung noch früher einsetzen würde und z.B die Position „Kredite“ näher betrachten würde, so dass auch der Vorgang der Geldschöpfung der Banken klarer würde. Die Kreditvergabe und die mit der Auszahlung des Geldes verbundene „Geldschöpfung aus Luft“ einer Bank erfolgt ja durch folgende Buchung der Bank: Forderung an Kreditnehmer an Verbindlichkeit gegenüber Kreditnehmer.
Durch die Kreditvergabe kommt es zu einer Forderung der Bank gegenüber dem Kreditnehmer. Diese Forderung der Bank zählt zu den Vermögensgegenständen der Bank und steht auf der Aktivseite der Bank. Das Guthaben, über das der Kreditnehmer nach Erhalt des Kredits verfügen kann, ist aber zugleich eine Verbindlichkeit (Schuld) der Bank gegenüber dem Kreditnehmer und steht auf der Passivseite der Bank.
Entsprechend bilanziert die Bank die entsprechenden CDS unter den Verbindlichkeiten auf der Passivseite und unter Vermögensgegenständen auf der Aktivseite.
Nehmen wir einfach mal zur Abwechslung an, die Kredite und die entsprechenden CDS müssen heftig wertberichtigt werden, indem etwa die Euroländer in der „Staatsschuldenkrise“ gegenüber den Banken einen Abschlag von bis zu 50% an den von den Banken gehaltenen Staatsanleihen durchsetzen. Dann wäre vermutlich jene magische kritische Masse erreicht:, die Zündung könnte erfolgen und der Prozess würde rasend schnell außer jede Kontrolle geraten.
Kurzum, die morsche Finanzwelt würde nach dem ersten Zünden in der Eurozone Europa schnell in jener Heimat des „Kapitalismus“ in hellsten Flammen aufgehen, wo der meiste trockene Brennstoff lagert und das sind nun mal die USA.
“Entsprechend bilanziert die Bank die entsprechenden CDS unter den Verbindlichkeiten auf der Passivseite und unter Vermögensgegenständen auf der Aktivseite.”
Mein Beispiel war natuerlich stark vereinfacht. Aber das stimmt, CDS sind immer auf beiden Seiten der Bilanz zu finden. Ich meine das sind schon Gegenpositionen, also andere CDS die gekauft werden, um das Risiko des zuerst geschriebenen CDS einzudaemmen, zum Beipiel. Aber es wimmelt bei manchen Banken nur so den Dingern in der Bilanz, die nehmen viel mehr Bilanzsumme in Anspruch als die Kredite. Das sind natuerlich richtige Pulverfaesser, die nur darauf warten hochzugehen. Besonders wenn eine Gegenpartei, mit der die CDS hin und hergereicht werden, Pleite geht.
Aber anstatt da jetzt ganz vorsichtig ranzugehen, und alles erst mal zu entschaerfen, will Schaeuble Schuldenschnitt (wenn auch freiwillig, so dass die CDS eben nicht zuenden, es nicht zu einem “Credit Event” kommt, der CDS ausloest) weil ihm irgendwer eingeredet hat, dass sonsts unsere Marktwirtschaft gefaehrdet ist. Also her mit den Steuergeldern, damit wir dann Banken retten, fuer unseren Bundesbankenminister.
Aber um Finanzstabilitaet geht es dem Schaueble natuerlich nicht, dem geht es um Volatilitaet, ein staendiges rauf und runter, als waere er Hedgefond MAnager! Oder er hat ein Verlangen, ganz USA in Brand zu stecken – koennte auch sein. Vernuenftig sind seine Vorschlaege nicht. Katastrophal eher.
@ Matt_us
„Aber um Finanzstabilitaet geht es dem Schaueble natuerlich nicht, dem geht es um Volatilitaet, ein staendiges rauf und runter, als waere er Hedgefond MAnager! Oder er hat ein Verlangen, ganz USA in Brand zu stecken – koennte auch sein. Vernuenftig sind seine Vorschlaege nicht. Katastrophal eher.“
Wie immer man es dreht und wendet, Figuren wie Schäuble & Ackermann sind nur getriebene Akteure eines langen Amoklaufs, der mit finaler Selbsthinrichtung eines Systems in einer unlösbaren Krise namens „Kapitalismus“ enden muß.
Welchen Sinn macht etwa eine „Krisenlösung“, die mindestens eine ganze Generation dazu zwingen will, die nächsten 40 Jahre zu einem niedrigen Lebenssstandard viel mehr und viel länger für virtuelle Gebilde wie die „Finanzindustrie“ arbeiten zu müssen. Angesichts eines historisch einzigartige hohen, global erreichten Niveaus der Produktivkräfte, die es allen Menschen global erlauben würde, menschlich erforderlichen Mindest-Lebensstandard in einem Bruchteil der heutigen Arbeitszeit zu produzieren ist diese irrwitzige Krisenlösung von Psychopathen Auswurf des Wahnsinns eines Systems, das nunmehr am Ende seines Amoklaufs durch die Geschichte angelangt ist.
Die im Artikel aufgeworfene Frage, ob und wie Derivate, wie z.B. CDS, in der Bilanz aufzunehmen sind, ist meiner Meinung nach von zentraler Bedeutung. Leider habe ich seinerzeit (2008) keine fuer mich verstaendliche eindeutige Antwort gefunden. Vielmehr reichten die Antworten von, CDS und Optionen haben in einer Bilanz nichts zu suchen, da sie schwebende Geschaefte sind bis zu einem Gesetzeskauderwelsch, den ich trotz oder Dank Ingenieurausbildung nicht wirklich verstehe.
http://www.frankfurt-school.de/dms/Arbeitsberichte/Arbeits38e.pdf
Fuer Erklaerungen waere ich dankbar.
Danke fuer die Informationen. Ich verstehe das einigermassen, aber weiss jetzt auch nicht ob das den jetzigen Stand der Bilanzierungsregeln fuer Derivate wiederspiegelt. Das ist ja schon von 2003, und Regeln werden ab und zu geaendert.
Also nach dem Papier werden CDS nach internationalem Bilanzierungsrecht (IAS/US-GAAP) unterschiedlich bewertet, als im HGB. Das heisst wuerde eine Bank nur nach dem HGB ihre Bilanz aufstellen, koennte man gar nicht sehen, wieviel CDS sie haelt – und braucht dann auch kein Eigenkapital fuer sie zurueckstellen. (Der Betrag muesste aber unterhalb der Bilanz zu ersehen sein – siehe unten Eventualverbindlichkeiten fuer Avale. Das heisst in meinem Beispiel waere in der Bilanz das CDS 2006 nicht zu sehen – nur unterhalb der Bilanz zusaetzlich angegeben.)
Das ist anders nach internationalen Bilanzregeln. Da muessen CDS in die Bilanz. Auch deutsche (Gross)Banken werden aber in ihrer Bilanzierung den internationalen Standards gerecht werden muessen. Nehm ich mal an.
Die Erste folgt zum Beispiel dem International Accounting Standard, der jetzt auch in Europa gilt – anscheinend. “The consolidated financial statements of Erste Group…were prepared in compliance with ..IAS …as adopted by the European Union…” steht bei der Ersten im Jahresbericht. (S.84)
Aber es geht ja darum (in meinem Beipiel oben), dass auf einmal ein Risiko entsteht, dass, wie ich vermute, nur dadurch entsteht, indem man CDS Preise kuenstlich nach oben treibt. Denn die Ausfallwahrscheinlichkeit durch CDS “Credit Event” war nicht hoeher im August als im September oder als jetzt, nach meiner Einschaetzung. Trotzdem stiegen Preise von 23% auf 50% und sind jetzt Null.
Vielleicht gab es schon einen Verlust – durch Margin Calls – oder es droht ein Verlust. (Mein Beispiel 2011) Auf jeden Fall wuerde die Bilanzierung (auch nach HGB) in der Bilanz erfolgen, wenn es zu einer Drohverlustrueckstellung kommen wuerde.
Hier die relevante Passage aus dem Text – wie CDS nach HGB zu bilanzieren sind. :
“Als Sicherungsgeber hat der Bilanzierende bei der Erfassung und dem Ausweis eines CDS
den Bilanzierungsvorschriften für Avale zu folgen. Diese sind als Eventualverbindlichkeit
unter dem Bilanzstrich abzubilden. Kommt dagegen eine Inanspruchnahme in Betracht, hat
der Bilanzierende eine Drohverlustrückstellung aus schwebenden Geschäften zu bilden. Die
Bemessung der Eventualverbindlichkeit sowie ggf. der Rückstellung erfolgt i.S.v. § 253 Abs.3
HGB nach den allgemein gültigen Grundsätzen des deutschen Handelsrechtes.”
Egal wie man die CDS bilanziert – das Problem ist, dass sich das Risiko schlagartig veraendern kann, und auch das ganze Finanzsystem und die Finanzstabilitaet bedrohen kann. Denn die CDS Ausgeber rueckversichern sich immer mit anderen Banken. Und sollte eine Bank ausfallen, um das Rueckversicherungsrisiko zu zahlen, faellt alles in sich zusammen.
@ matt_us
„Egal wie man die CDS bilanziert – das Problem ist, dass sich das Risiko schlagartig veraendern kann, und auch das ganze Finanzsystem und die Finanzstabilitaet bedrohen kann. Denn die CDS Ausgeber rueckversichern sich immer mit anderen Banken. Und sollte eine Bank ausfallen, um das Rueckversicherungsrisiko zu zahlen, faellt alles in sich zusammen.“
Völlig korrekt. Das Finanzsystem mal ganzheitlich betrachtet, haben wir es beim Thema asymmetrische Finanzderivate wie CDS mit twin-towers zu tun: der eine Turm sind die Kredite und der andere Turm die sie spiegelnden CDS. Da Kredite und ebenso die CDS beide auf der Aktiv- und Passivseite der Banken bilanziert werden, blasen Kredite und CDS in der boost-phase der missiles erstmal die Bilanzsumme auf (Bilanzverlängerung). Ein flächendeckender Kreditevent als Zünder verdampft dagegen in vielen Segmenten des Finanzsystems die entsprechenden Kreditsummen, sagen wir z.b. anfangs zu 50%. Gleichzeitig werden die CDS zu 100% lebendig.
In der schockartigen Einschlags-Phase der missiles entladen sich die maßlos verlängerten Bankbilanzen in zerstörerische Aktiv- bzw. Passivtausch-Kaskaden. Für die Bewertung von Derivaten gilt in der angloamerikanischen Praxis der „Fair-Value“ zum Bilanzstichtag. Die wertmäßigen Abweichungen zum Vorjahr, d.h. Bewertungsgewinne und –verluste werden sofort erfolgswirksam in der GuV erfaßt. Was in den Bilanzen diverser Spieler des Finanzsystems in der schockartigen Einschlags-Phase der missiles wüten wird, kann man heute nur ganz vage erahnen. Vermutlich werden sich blitzschnell zerstörerische Übernahmekaskaden, entkernende Kannibalisierungsprozesse in einen globalen „bellum omnium contra omnes“ entladen.
Interview mit Prof Hörmann, Wien: “Das Ende des Geldes”.
Carlos, nicht wieder Professor Hoermann, der uns erzaehlen will demnaechst braucht man nur noch eine Sozialversicheurngsnummer und dann gibt es anstatt Geld nur noch “Zahlen auf einem Computer als Grundeinkommen”. Aber man faengt mal gleich mit einem Ueberziehungskredit an! Schlecht fuer die, die noch keine Schulden haben – die haben dann auch welche!?!? Ich bin allerdings bereit, sollte das System in Oesterreich demnaechst eingefuehrt werden, denn in Oesterreich hab ich noch ein Versicherungsnummer, denn da hab ich mal gearbeitet.
Und er macht immer noch gemeinsame Sache mit dem ZEITGEIST Project, das ein Joint Venture von Goldman Sachs/Bilderberger/Soros/Halliburton oder sonst wem zu sein scheint. Aber davon abgesehen, sollte man sein Buch trotzdem mal lesen. Da geht es um Fehler in unserem jetigen Geldsystem. Und weniger um sein neues Geldsystem.
Hoermanns Plan ist ein wenig ueberholt, meinst Du nicht, denn keiner hat am Wochenende fuer “Zahlen im Computer” und eine Abschaffung des Geldes demonstriert. Da ging es um Bankenregulierung, Finanztransaktionsteuer, Vermoegensteuer, Trennbanksystem, und vielleicht ein anderes Geldsystem, aber wohl kaum ueber so eine Mischung zwischen Kommunismus und Brave New World was Hoermann da so vorschwebt.
@ matt_us
„Carlos, nicht wieder Professor Hoermann, der uns erzaehlen will demnaechst braucht man nur noch eine Sozialversicheurngsnummer und dann gibt es anstatt Geld nur noch „Zahlen auf einem Computer als Grundeinkommen“ (…). Aber davon abgesehen, sollte man sein Buch trotzdem mal lesen. Da geht es um Fehler in unserem jetigen Geldsystem. Und weniger um sein neues Geldsystem. Hoermanns Plan ist ein wenig ueberholt, meinst Du nicht“
Nicht schon wieder diese spezielle Art „intelligenter“ Kritik, alter Knabe. Daß Hörmanns Entwürfe fundiert sind, wird der Fachmann beim Lesen seiner Homepage
http://www.antibilanz.info
feststellen. Fachlich vertritt Hörmann den Ansatz der kontraktbasierten Kapitalmarktkommunikation
Gewiß ist Hörmann vorschnell in seinen Prognosen des unmittelbar bevorstehenden Endes des Geldsystems. J edenfalls glaubt Hörmann nicht „der alten Propagandslüge des Systemdualismus, nur Kapitalismus oder Kommunismus wären denkbar. Tatsächlich existiert ein unbegrenztes Spektrum unterschiedlichster Wirtschafts- und Gesellschaftssysteme.“ Deshalb müssten diejenigen, die bisher vom bestehenden System profitiert haben, keinen Grund zur Furcht haben, denn wenn die gemeinsame Weltbevölkerung die Vergangenheit auf sich beruhen läßt, keine Sündenböcke sucht, keinen Verschwörungstheorien anhängt, sondern einfach auf bisher ungenutzte Möglichkeiten neugierig ist und sich in gegenseitiger Unterstützung gemeinsam auf den Weg macht, so könne eine neue, geeinte Menschheit entstehen, die sich global wechselseitig entschuldet und dadurch exponentielles Wachstum nicht in der Welt toter Materie, sondern in nur noch in der geistigen Welt erleben wird.
Die Institution des Eigentums müsse völlig neu durchdacht und gewaltlos nach dem bald bevorstehenden Ende des Geldsystems völlig neu rekonstruiert werden. Eine demokratische Gesellschaft mit demokratischem Geldsystem, das nicht mehr von privaten Rechtspersonen Geld schöpfen läßt, kenne nur noch exclusive Nutzungsrechte als „Eigentumsformen“ für Sachen, die auch tatsächlich selbst genutzt werden. Nach dem kommenden Finanzkollaps des Systems könne die Reproduktion der Gesellschaft im Zeitalter des Internet materiell nur gesichert werden, indem jeder Person bedingungslos ein monatliches Grundeinkommen zinslos von einer demokratisch legitimierten “Notenbank“ eingerichtet wird , das nach dem Modell „jeder nach seinen Bedürfnissen – jeder nach seinen Fähigkeiten“ aufgestockt wird. In der vernetzten Wissensgesellschaft vernetzen sich ausschließlich natürliche Personen sich über ihre wahren “produktiven” Leistungen für die Gesellschaft – jeder Mensch kann dann ohne die heute künstlich über Geld erzeugte Angst den Weg zum wirklich freien Unternehmer gehen, zum wirklich freien Künstler reifen.
Apropos CDS und Derivate und US-Banken und Risiken – das hier ist ziemlich interssant:
http://blog.markusgaertner.com/2011/10/18/auch-in-den-usa-beginnt-die-zweite-bailoutrunde/
Gruß
SLE
@matt_us
Vielen Dank fuer die Erklaerungen zur Bilanzierung von CDS.
Was die daramatischen Aenderungen der Praemien = Risikobewertungen betrifft habe ich die gleichen Schwierigkeiten mit der Nachvollziehbarkeit und frage mich auch, was ist da los? Das faengt bei mir aber schon bei Ratingagenturen an. Was rechtfertigt z.B. eine Herabstufung einer Staatsanleihe um fuenf Stufen von heute auf morgen? Welche Rechnung, welches Modell gibt das her? Mein Verdacht ist, das es sich um einen Teufelskreis handelt. In etwa so: Die Ratingagenturen lassen die CDS Praemien in die Bonitaetsnoten einfliessen und die Bonitaetsnoten fliessen in die Berechnung der CDS Praemien ein und damit kommt eine Mitkopplung in Gang, die wenn einmal ausgeloest und evtl. bewusst herbei gefuehrt, derart dramatisch verlaeuft, wie beschrieben bzw. beobachtet. Wenn dann noch die Wirtschaftsleistung eines betrofffenen Staates durch Sparmassnahmen abgewuergt wird, verstaerkt sich das Ding noch einmal ueber den zweiten Teufelskreis der aus sparen > sinkende Wirtschaftsleistung > sinkende Steuereinnahmen noch mehr sparen besteht.
ich bring mal ein paar andere Punkte an:
(ref (i)):
1) es gibt weltweit ca 20 LCFI (large complex financial institutions). Die sind laut IMF berichtspflichtig, während die counterparties das NICHT sind.
(report p 7 und 8)
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der Knackpunkt ist der (p39):
…”Overcoming the data challenges requires buy in from the membership on the value of a global financial risk map in Fund surveillance. Many of the confidentiality issues, including those constraining the BIS and the IMF, derive from limitations imposed by the membership on provision and use of data to the IFIs. In this regard, it should be noted that Article VIII, Section 5 expressly states that members are \under no obligation to furnish information in such detail that the affairs of individuals and corporations are disclosed.. Limitations on access to data extend to relevant information collected by the public sectors in individual countries.”…
——————–
Auf deutsch: Weder der IMF noch BIS haben zureichende Informationen, was da vor sich geht.
Man kann also nur spekulieren, was die bilanzpflichtigen Einheiten in den Bücheren ausweisen und was nicht.
2) Eine Vermutung: Der issuer von CDS ist ja nicht notwendig der Halter. Und auch kein anderes LCFI.
Daraus ergibt sich das Problem, das der Gesamtmarkt intransparent wird.
3) was man BEOBACHTEN kann, ist, wenn ein CDS-Vehikel sich rasant verändert, wie der Bloomberg-snap zu Griechenland zeigt.
NUR: Keiner kann sagen WER die Position hält. Die taucht sicherlich in keiner Bilanz auf.
Ich vermmute, dass das über offshore-vehikel abläuft, die beliebig kurz in und aus dem ‘Markt’ gehen können.
UND DAS SIND DIE EIGENTLICHEN PLAYER!
4) die Beträge, um die es da potentiell geht, sind irgendwo im Bereich 10000-20000 billion$, d.h., 1/3 welt-GNP, UNGEHEBELT!
(google “tax havens trillion”).
Man vergleiche die Grössenordnung mit dem der diversen ‘Rettungsschirme’.
Dass Staaten sich auf dem level ‘Finanzmärkte’ auf einen showdown mit solchen Leuten einlassen , halte ich für grotesk naiv.
Die gehören weggesperrt!
Alles andere ist freiwillige Selbsversklavung.
Die somalischen Piraten sind im Vergleich dazu nur Waisenknaben.
5) meine Vermutung: Banken sind hptschl die dealer, die eine Provision abgreifen, aber nur zum kleineren Teil die Player.
Und das lagern sie auf offshore-Vehikel aus, genauso wie ihre ‘Kunden’: big corporations, Schwarzgeldhalter, Geldwäscher die Mafia, …
Die Einfallstore in die Industriestaaten, wo die ‘Werte’ sind: London, Luxemburg (clearstream), Schweiz, Singapur, …
Die klassischen tax-havens sind nur dazu da, die Spuren zu verwischen.
(Shaxon: ‘treasure islands’9
Fazit: Es wundert mich überhaupt nicht, dass sie Sache so undurchsichtig ist.
Das gehört nämlich zum Geschäftsprinzip.
Kann sein, dass ich mich irre, aber da liegt mE irgendwo der Hase im Pfeffer.
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referenzen:
i) “Understanding Financial Interconnectedness”
IMF-report, October 4, 2010
ii) diverse Quellen von http://taxjustice.blogspot.com/
Was da angesprochen wird, die Macht der Hedgefonds und anderen Schattenbanken die ihr Geld in Steuerschlupfloecher stecken, und die Unwille der Politik, das mal zu begrenzen, ist sicherlich ein Grund fuer die Krise.
Aber es sind die Banken und andere Finanzinstitute hauptsaechlich, die hier die Macht haben. Die sind anscheinend alle irgendwie miteienander verbunden. http://www.newscientist.com/article/mg21228354.500-revealed–the-capitalist-network-that-runs-the-world.html
Nicht so ganz richtig. CDS Prämie ändert sich vor der Herabstufung – das wurde nachgewiesen. Außerdem ändert sich die Prämie fast nicht im Falle der Erhöhung des Ratings
[...] wie wir wissen, ist die Bewertung von Derivaten eine Ansichtssache – und das macht Derivate ja auch so wunderbar attraktiv für Banken. Denn sowohl der Käufer, als [...]