Die grösste Krise in Europa seit dem 2. Weltkrieg, das meinte Frau Merkel diese Woche. Ach ja, wer war das denn damals Schuld  – die deutschen Politiker wohl. Und nun? Natürlich wieder unsere Politiker. Bankenkanzlerin Merkel und ihr Sparminister Schäuble sind die katastrophalsten Führungspolitiker die wir in Deutschland hatten seit Brüning 1932 und dem der kurz danach kam, 1933. Was die entscheiden, und der EU Gipfel diese Woche war wohl von ihren Entscheidungen geprägt, ist einfach katastrophal für die Eurozone und ganz Europa.

Jens Berger und die Nachdenkseiten sagen uns wie es wirklich ist, oder auch hier der Blog von Markus Gärtner. Und das haben die EU Chefs verabschiedet.

Jeder sagte vorher, um die Märkte zu beruhigen braucht es entschlossenen Willen und einen dicken Geldbeutel um sich gegen die Märkte zu positionieren, eine Bazooka, eine Panzerfaust. Nur die EZB kann helfen. Denn die hat wirklich die finanzielle Macht um Anleihen und CDS Spekulanten abzuschießen. Aber die zwei deutschen Politiker die sich überhaupt nichts unter den Märkten vorstellen können, immer noch nicht, machen wie Dick und Doof natürlich genau das Gegenteil. Hauptsache, der deutsche Teil der Rechnung geht nicht einen Cent über die 211 Mrd Euro, die der Bundestag bewilligt hat.

Denn egal ob wir ganz Europa in eine Rezession stürzen, die viel teurer sein könnte, das interessiert die deutsche Führung nicht. Egal ob sich demnächst Griechenland und Italien nicht mehr finanzieren kann, egal ob es 15-20% insgesamt oder 40% jugendliche Arbeitslose gibt in Südeuropa, Hauptsache der deutsche Teil der Rechnung geht nicht über 211 Mrd Euro!

Rettungsschirm

So wird jetzt ein Rettungsschirm EFSF  konstruiert, der nicht nur zu klein ist, der nicht weiss wie er sich finanzieren soll, und der nicht weiss was er mit seinem Geld machen soll. Bürgschaften geben, ja, aber für wen, zu welchen Bedingungen, wieviel – das alles steht in den Sternen. Wir schicken lieber den Ex-Hedgefondmanager der den EFSF führt nach China und fragen da mal, ob die nicht ein paar Euro übrig haben. Wir wollen also, dass die armen Chinesen, (BIP pro Kopf 3.000 Euro) für die reichen Europär (BIP pro Kopf 23.000 Euro) Staatsanleihen kaufen. Also, obwohl das Nettovermögen in Europa wohl um die 30 Billionen ist, bekommen wir in Europa anscheinend nicht genug zusammen, um 1 Billion davon in einen EU Rettungsschirm zu stecken. Ein Armutszeugnis!

Der Rettungsschirm ist nun zu einem Spielball der Spekulanten geworden. Das war schon von Anfang an so. Denn man hat auf die Ratingagenturen gehört, und obwohl der Rettungsschirm bis zu 780 Mrd Schulden machen kann, man kann nur 440 Mrd ausleihen. (Was geschieht übrigens mit dem Rest des Geldes?). Denn sonst bekommt man keine AAA Rating.

Anstatt den EFSF einfach mit einer Banklizenz auszustatten, damit er auch wirklich, wie eine Bank, das 10-Fache seines Eigenkapitals verleihen kann, wird nun so ein Murks vorgeschlagen. Der keinen wirklich überzeugt, dass es auch helfen wird.

Schuldenschnitt

Also, wer weiss wie der 21% Schuldenschnitt gerechnet wurde, weiss auch, dass der 50% Schuldenschnitt die Banken, die eingeladen werden, freiwillig daran teilzuhaben, auch nicht wirklich treffen wird. Es ist wirklich Augenwischerei. Denn wir haben ja eine Bankenkanzlerin, die sich persönlich bis früh am Morgen dafür einsetzt, dass es einen Schuldenschnitt gibt. Und dann noch mal kurz frühmorgens 30 Mrd (!) zusagt, um den Banken diesen Schuldenschnitt schmackhaft zu machen.

Tatsage ist:

Die Banken verlieren keinen Cent.

Den Steuerzahler kostet es 30 Mrd.

Aus dem EU Dokument:

Zu diesem Zweck ersuchen wir Griechenland, die privaten Investoren und alle beteiligten Parteien, einen freiwilligen Umtausch von Anleihen mit einem nominellen Abschlag von 50 % des Nennwerts der von privaten Investoren gehaltenen griechischen Staatsanleihen auszuarbeiten. Die dem Euro-Währungsgebiet angehörenden Mitgliedstaaten werden einen Beitrag von bis zu 30 Mrd. Euro zur Beteiligung des Privatsektors leisten.

Also, “ersuchen”, “freiwillig”, hört sich nicht nach Schuldenschnitt an. Nachprüfen kann man das erst, wenn die Zahlen veröffentlicht werden, aber da wird man sich wohl noch was gedulden müssen, denn die Banken wollen wohl nicht, dass wir das noch mal so nachrechnen, wie man das vorher gemacht hat, um dann festzustellen, dass ein 21% Schuldenschnitt wohl eher ein 20-30% Gewinn für die Banken waren. Meine Wette ist, dass ein 50% freiwilliger Schnitt die Banken nichts kosten wird.

Bankenrekapitalisation

Also, ich bin normalerweise immer für mehr Eigenkapital für die Banken.

Aber ich bin natürlich dagegen, die Staatsanleihen in Europa mit einer Wertberichtigung in den Bilanzen anzugeben, die den Marktwert wiederspiegelt. Aber genau das wollen die Staaten machen. Obwohl sie hoch und heilig versprechen, dass es keine Wertberichtigung geben wird. Und Eigenkapital braucht man ja auch keins als Bank, um Staaten zu finanzieren.

Aber das, was wohl zur Pleite von DEXIA geführt hat, oder einen Riesenverlust bei der Ersten Bank verursacht hat, die Derivate die die Bilanzen besser aussehen lassen, als sie sind, da unternimmt die EU nichts dagegen.

CDS Spekulanten gehen leer aus

Hier sollte ich mich eigentlich freuen, denn man versucht ja den Spekulanten, die hier auf Pleite Griechenland wetten, einen Haircut zu verpassen. Indem der Schuldenschnitt freiwillig ist, wird vermieden, dass CDS auszahlen. Das scheint alle Hedgefonds und ihre Fans und Schreiberlinge maßlos zu ärgern, gut so.

Also, zusammenfassend, wir haben

  • einen Rettungsschirm der nicht weiss wie er sich finanzieren soll, oder was er machen soll (Bürgschaften ausgeben, Anleihen kaufen) und auch nicht zu welchem Preis,
  • einen Schuldenschnitt, der beim Nachrechnen wahrscheinlich keiner ist.
  • eine Bankrekapitalisation, weil man die Staatsanleihen zum Marktpreis bewerten soll, obwohl man sich einig ist, dass der Markt nicht funktioniert (das ist ja das Argument der EZB, mit der sie Anleihenkäufe rechtfertigt), und man hoch und heilig verspricht, Anleihen zu zahlen – das eigentlich Problem der Derivate Bewertung in den Bilanzen lässt man einfach so weiterlaufen,
  • CDS Spekulanten leer ausgehen lassen, weil wir denken, dass CDS Auszahlungen das Bankensysten destabilisieren, aber verbieten tun wir die Credit Default Swaps nicht – was der logische Schritt wäre.

Also, insgesamt ein wenig von dem, und ein wenig von etwas anderem, was aber ganz klar durchschlägt, es ist zu wenig. So kann man natürlich nicht gegen die Märkte vorgehen. Man müsste eine klare Strategie haben. Aber so ein Mischmasch hilft natürlich überhaupt nicht. Das wird man in den nächsten Wochen merken, wenn wieder Druck aufgebaut wird.

Und auch mal sagen, was man gegen hohe Anleihezinsen von Italien machen will, oder wie man Griechenland weiter finanzieren will. Denn mit dem Versprochenen 100 Mrd bis 2014 programmiert man natürlich die Fortsetzung der Krise, denn gerade hatte die Troika geschrieben, dass bis zu 250 Mrd gebraucht wird. Das wird einfach ignoriert von den Politikern.

Bankenkanzlerin Merkel und Bankenlobbyminister Schäuble haben alles was diese Woche entschieden wurde, durchgeboxt. In der gleichen Woche, in der sie zugeben muessen sich bei ihrer eigenen Bank (der HRE Bad Bank) um rund 55 Mrd verrechnet zu haben.

(Der Spiegel sagt uns heute mehr und bringt diese “beruhigende” Meldung:

Doch so unglaublich der Rechenfehler auch anmutet – Experten wundern sich darüber eigentlich nicht. “Speziell die Buchprüfer stehen unter einem immensen Druck, die hochkomplizierten Zahlenkonglomerate möglichst schnell abzusegnen”, erklärt ein Wirtschaftsprüfer, der nicht genannt werden möchte. Gerade die Großgesellschaften arbeiteten in solchen Fällen eine Art Checkliste ab, die teils vollautomatisch über Computerprogramme liefen, erklärt er. “Das hat dazu geführt, dass selbst Fachleute die Zahlenwerke kaum mehr durchblicken.”)

Wie auch immer, der Schäuble und die Merkel sollten mal schnellsten ihren Rücktritt vorbereiten. Im eigenen Land nicht wissen ob 55 Mrd mehr oder weniger in einer staatseigenen Bankbilanz sind – und das schon seit Wochen verheimlichen -  aber dann Sparprogramme für Europa verordnen.

So einen Schwachsinn – und so verrückte Politiker – hatten wir wirklich nicht mehr seit 1945!

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