Ich glaube wir sollten den Rettungsschirm EFSF als Finanzierungsmechanismus abschreiben. Aus vier Gründen.

  1. Der EFSF war von Anfang an durch die Auflagen der Rating Agenturen behindert, die den EFSF nur die Hälfte dessen was er selber an Schulden aufnimmt (780 Mrd Euro), an Problemstaaten weiterleiten lässt (440 Mrd Euro) – sonst verliert der EFSF sein AAA Rating.
  2. Der EFSF hat bis jetzt nichts auf die Beine gestellt (es sollen etwa für Irland und Portugal dieses und nächstes Jahr nur rund 35 Mrd pro Jahr aufgenommen werden). Das sind weniger als 1% der Staatschulden in Europa. Bis jetzt sind nur 9 Mrd Euro ausgezahlt. Und er schafft es anscheinend nicht, bei der jetzigen Unsicherheit, seine Anleihen zu plazieren.
  3. Der EFSF wird von Investment Banken umzingelt und belagert, die ihm Special Purpose Vehicles verkaufen (also genau diese Zweckgesellschaften, die zur Finanzkrise 2008 führten). Man munkelt er soll CDS ausgeben, oder in Repo Geschäfte einsteigen, also genau die Dinge machen, die eigentlich verboten gehören. Das ist nur Geldschinderei von den Investment Banken, und die Bürokraten des EFSF lassen sich da alles erzählen und aufschwatzen.
  4. Der EFSF schickt seinen Chef, Ex-Hedgefondmanager Klaus Regling, um betteln zu gehen nach China! Die Chinesen sagen, zu Recht, räumt mal erst in Europa auf, dann sehen wir mal.

Das sind nicht die Sachen, die ein Staat zu machen hat. Nicht in Europa, ausser natürlich wir wollen uns gründlich von den Investment Bankstern veräppeln lassen, die uns hier solche Sachen erzählen. Und den Chinesen mal kräftig was zu lachen zu geben.

Man könnte Vermögensteuer einführen um die Staatsschulden zurückzuzahlen. Oder Reiche und Vermögende zwingen, Zwangsanleihen zu kaufen. Aber das wird nicht ernsthaft diskutiert, noch nicht jedenfalls.

Also bleibt hier nur EZB.

Aber glauben wir wirklich,  dass die EZB die Staatsschulden aufnehmen könnten, und als Lender of Last Resort einspringt, wenn Staaten nicht verantwortlich und wettbewerbsfähig sind? Mario Draghi, neuer EZB President fragte diese rhetorische Frage einfach mal die Journalisten gestern, in der EZB Pressekonferenz, anstatt die Frage zu beantworten. Aber, kann es nicht sein, dass Märkte in unsicheren Zeiten nicht einfach Länder Pleite gehen lassen wollen? Um mit CDS viel Geld zu verdienen. Mit Griechenland scheint das ja der Fall zu sein. (Das kann mal ein Journalist Mario Draghi bei der nächsten Pressekonferenz fragen.)

Ich meine ja – denn die Märkte können leicht Renditen immer weiter hoch treiben, das haben sie ja schon mit Griechenland und anderen Staaten so gemacht.

Nur die EZB kann helfen, sagte auch Dieter Wermuth vor ein paar Tagen, in, in einem lesenswerten und wichtigen Artikel in der ZEIT, Wir brauchen eine andere EZB, weist er uns darauf hin, dass die EZB ihr Mandat erweitern muss. Wir in Europa müssen also nun unsere EZB Anleihenkäufe machen lassen, um aus der Krise zu kommen.

Hier gibt es zwei Hauptargumente, die dagegen sprechen:

1) Staatsfinanzierung von Schulden führt zu Inflation, und Hyperinflation, und wir enden wie in den 20er Jahren oder in Zimbabwe.

Das ist das Talkshow Argument, das gerne und viel durch die Presselandschaft getragen wird. Jeder Bildzeitungleser versteht das. Das Thema ist tabu. Das darf es nicht geben in Deutschland.

Die Fakten sprechen gegen solche Annahmen. Denn die Anleihenkäufe die von der Englischen und Amerikanischen Zentralbanken gemacht wurden, durch deren sogenannte Quantitative Easing Programme, haben nicht zu Hyperinflation geführt. Die Inflationsraten sind 4% in den USA und 5% in GB.  Die britische Inflation wird wieder zurückgehen, nachdem Mehrwertsteuererhöhungen aus dem Index fallen. Und die Inflation ist zum Teil gewollt, um die Überschuldung dieser Staaten (privat und Staatssektor) schneller fallen zu lassen.

Das weitaus bessere Argument gegen Anleihenkäufe ist allerdings folgendes:

2) Die Finanzierung von Staaten prolongiert die Leistungsbilanzdefizite und erhöht langsam aber sicher die Auslandsverschuldung dieser Staaten.

Hier Professor Sinn, in einem Papier des ifo Instituts

Es ist zu bezweifeln, dass es durch die öffentliche Dauerfinanzierung der Zahlungsbilanzdefizite der südlichen Länder jemals gelingen kann, ein Gleichgewicht im Euroraum zu erzeugen. Eher ist zu vermuten, dass man die Rettungsstrategie, die von der EZB begonnen wurde und nun offen fortgeführt werden soll, bis zur Erschöpfung der stabileren Länder treiben wird.

Erst ganz zum Schluss, wenn auch die Stärksten mit dem Rücken zur Wand stehen und auch kein Geld mehr haben, wird man sich dann doch noch zu einer realen Abwertung im Euroraum bereitfinden, die als Einzige in der Lage ist, die Wettbewerbsfähigkeit der GIPS Länder wieder herzustellen und den Euroraum ins Gleichgewicht zu bringen.

Oder hier Bernd Klehn, der oft auf dieses wichtige Problem aufmerksam macht, und der viel im Herdentrieb oder anderen Blogs kommentiert:

Ihr Vorschlag [Dieter Wermuths Vorschlag von der Finanzierung der Staaten über die EZB] ist kein Ausweg, sondern ein weiteres anfeuern der Ungleichgewichte, übertüncht durch Finanzoperationen bis alles zusammenbricht.

Sowohl Prof. Sinn als auch Bernd Klehn warnen vor sich ausweitenden Leistungsbilanzdefiziten, die entstehen, wenn Länder mehr kaufen im Ausland als sie exportieren (vereinfacht). Das ist natürlich richtig, die werden sich ausweiten. Sowohl Griechenland als auch Portugal kaufen 8% mehr im Ausland als sie exportieren, in Relation zum BIP. Diese Zahlen schrumpfen zwar pro im Moment pro Jahr, aber sie weiten immer noch die Auslandsverschuldung aus. Jedes Jahr kommt noch ein wenig dazu.

Bernd Klehn geht davon aus, dass Märkte generell kalte Füsse bekommen, wenn die Nettoauslandsverschuldung (Net Investment Position) eines Landes über die 80% Marke geht. Ich hab das jetzt nicht nachgeprüft, aber gehen wir davon aus, dass das stimmt. (Also die Nettoauslandsverschuldung in Relation zum BIP ist grösser als 80%) Dann kaufen ausländische Investoren keine Anleihen mehr, und stossen die Anleihen ab, die sie haben.

Das ist also eine Kennzahl, die wohl wichtig ist, wenn ein Land seine Währung abwerten kann, aber da das Problem hier nicht besteht, in der Eurozone, ist diese Kennzahl, diese 80% an die die Märkte sich hier klammern, eine m.E. falsche Einschätzung der Risikoposition. Aber…

Die Märkte lagen richtig – bei unseren doofen Politikern

Allerdings, um die Märkte hier zu beruhigen, hätte es entschlossenes Handeln direkt von Anfang an von den EU Partnern zu Griechenlandkrise gebraucht, um sie zu überzeugen, dass auch Länder mit grossen Auslandsschulden immer zahlungsfähig bleiben. Da hätte man also von Anfang an Klotzen, und nicht Kleckern sollen. Schon vor Monaten hätte man die Griechenlandfinanzierung für Jahre sicherstellen sollen, und die Austeritätspläne durch Wachstumspläne und Vermögensteuerpläne erweitern sollen.  Ohne die Banken zu beteiligen. Denn die “freiwillige” Bankenbeteiligung zeigt ja, dass diese Vorsichtsmassnahme der Märkte, Griechenland nicht über einen bestimmte Kennzahl hinaus zu finanzieren berechtigt ist. Deshalb ist das ja auch so ein Murks der von Schäuble und Merkel beschlossen wurde, und von Asmussen mit Sicherheit ausgeheckt wurde.

Auch das Trara um ein Referendum der Griechen, und das damit verbundene Risiko, dass sich Griechenland vom Euro verabschiedet, gibt jetzt den Märkten wohl weiter Recht. Merkel und Sarkozy machen den Märkten weiter Angst, wenn sie die Zahlungsunfähigkeit herbei schwören und es für möglich halten, dass Griechenland aus dem Euro austritt. Das bringt alles mehr Unsicherheit in die Märkte. Wenn Griechenland bis jetzt keinen Plan hatte, aus dem Euro auszusteigen, sollte man mal schnell in Athen einen entwerfen. Das kann gut oder auch schlecht für die Bevölkerung ausgehen, das hängt ganz davon ab, welche Politik die Politiker folgen wollen. Aber, wir schweifen ab.

Wieviel Risiko hat die EZB? Keins, wenn sie den Markt manipuliert

Also nehmen wir mal an die EZB finanziert jetzt Griechenland, und steigt auch voll ein, um Italien zu finanzieren. Wieviel Geld muss hier auf den Tisch gelegt werden? Von der EZB.  Das ist die Frage.

Querschüsse, der immer hervorragende Statistiken präsentiert, sorgt sich um die immer ausweitenden Anleihenkäufe der EZB, die diese Anleihen kauft. Nur, da ist m.E. eigentlich nichts gegen einzuwenden, wenn die EZB Anleihen zu einem Abschlag kauft, sind die, solange sie zurückgezahlt werden, ein Supergeschäft. (Sie können immer durch eine Vermögensteuer zurückgezahlt werden, in jedem Land, wenn man will.)

Dann kann die EZB auch Anleihen der Staaten kaufen. Was sie vor allem allerdings machen sollte, ist die Anleihenpreise nach unten zu manipulieren. Wenn die Anleihenpreise dann da sind, wo die EZB sie haben will, kommt der Markt schon wieder zurück.

Noch mal zu den Zahlen. Die EZB kauft im Moment so um die 3 Mrd Euro Anleihen pro Woche, hauptsächlich spanische und italienische Anleihen. Das hört sich viel an, aber um alle Anleihen in der EU aufzukaufen, bräuchte die EZB, wenn sie so weiter macht, 50 Jahre!

Hier eine sehr schönes Schaubild, was ich mir vom Gelben Forum geborgt habe, erstellt von “Frosch”, das ganz schön die Grössenordnung des Problems zeigt.

Also, die EZB sollte Anleihen kaufen, um die Renditen genau dort hinzubekommen, wo sie sie haben will, und ganz gewaltig den Markt manipulieren. Das muss ihre Aufgabe werden, Renditen auf politisch festgelegte Ziele zu fahren. Dazu müssten die EU Regierungschefs mal beschliessen was angemessene Renditen sein sollen, je niedriger umso besser, denn umso solventer werden die Eurostaaten.

Vielleicht müsste die EZB für einige Wochen das 5 fache der jetzigen Anleihen kaufen, also vielleicht 15 – 20 Mrd. Aber nach einer Zeit wäre dann Schluss, denn Anleihen würden nicht mehr abgestossen, wenn Anleihenrenditen niedrig sind. Auch könnte man dann mit ganz wenigen Markttransaktionen die Preise beeinflussen, wenn es sein muss. Sie zwischen Nationalbanken hin und herschieben, so wie das Hedgefonds machen, wenn sie Anleihenrenditen nach oben manipulieren wollen. Die EZB braucht sich das Geld nirgendwo zu leihen, sie kann es einfach drucken. Um so viel zu drucken, wie das die amerikanische Fed getan haben, oder die Bank of England für ihre Quantitative Easing Programme, koennte sie insgesamt etwa 1.500 Mrd Euro drucken und Anleihen kaufen.

Ein gezielteres Aufkaufen von Anleihen würde auch anderen Bloggern wie  FT alphaville und Paul Krugman ihre Sorgen nehmen, dass Italien nicht mehr finanzierungsfähig ist. Denn Marktzinsen sind im Moment 6,3% für Italien. Mit ein wenig Manipulation könnte man die Anleihenrenditen von Italien auf die Werte vor der Krise drücken. Halbieren, in etwa. Ich verstehe nicht warum die hier so wenig von Marktmanipulation verstehen? Die EZB ist potentiell der grösste Spieler am Anleihenmarkt, und kann wie jeder andere, der diese Marktmacht hat, die Preise und Renditen manipulieren.

Würden die Käufer nun zurückkommen, wenn Griechenlandanleihen zu 4% auf den Markt kämen, deutsche Anleihen zu 2% und alle anderen Länder irgendwo dazwischen?  Damit wären die Marktpreise offiziell von der Politik bestimmt, und nicht von den Märkten. Ich meine schon. Denn Griechenland bliebe solvent, bei Zinsen von 4%. Besonders wenn wirklich 100 Mrd ihrer Schulden abgeschrieben werden, auf “freiwilliger” Basis.

Aber wie sieht es mit den Leistungsbilanzdefiziten aus?

Das Problem hier ist, dass das Argument, was Prof. Sinn und Bernd Klehn anbringen, immer noch da ist. Die Auslandsverschuldung der Länder steigt – die Märkte könnten sich immer noch weigern, weiter Anleihen zu kaufen, von Ländern mit grossen Leistungsbilanzdefiziten. Die Nettoauslandsverschuldung wird weiter über die Marke von 80% steigen wird, bei der die Investoren traditionell verschwinden. Allerdings, die Auslandsverschuldung kann nicht grösser sein, als die Gesamtverschuldung (private und Staatsschulden) eines Landes, die wohl so bei 300%, höchstens 400% des BIPs liegen sollte. Darüber hinaus wird sich kein Land im Ausland verschulden können. Das Gleichgewicht, das Bernd Klehn und Prof Sinn suchen, liegt also hier. Allerdings, verantwortliche Staaten, die genug Steuern von ihren Reichen und Vermögenden erheben, werden einen Wert weit unter diesen Zahlen haben.

Nun, was also, wenn offizielle (von der EZB manipulierte) Marktpreise für Griechenland Anleihen bei 4% liegen, und Investoren immer noch nicht kaufen wollen?

Wenn das nicht hilft, müssen Anleihenpakete rausgegeben werden, das würde dann helfen. Damit würden Anleihenbesitzer gezwungen, ihre Risikoeinschätzung den neuen Gegebenheiten anzupassen. Weil Anleger wie Lebensversicherungen und Pensionsfonds immer Anleihen brauchen, immer Anleihen kaufen müssen, um ihre Verbindlichkeiten abzudecken, werden sie diese Anleihenpakete kaufen, wenn neue Anleihen herausgegeben werden. Anleihen bei der Ausgabe nur im Paket verkaufen, das würde helfen.

Die Eurokrise wäre wahrscheinlich vorbei.

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