Hier aus dem neuesten Spiegel:

Der Wirtschaftswissenschaftler Hans-Werner Sinn, Präsident des Ifo-Instituts, empfiehlt Griechenland, aus dem Euro auszusteigen und die Drachme wieder einzuführen. “Mit dem Euro kommen die Griechen nie wieder auf einen grünen Zweig”, so Sinn im Hamburger Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL: “Was die Politiker als Rettung bezeichnen, rettet Griechenland in Wahrheit nicht.”

Für eine Währungsumstellung müssten die griechischen Banken für eine Woche geschlossen werden. Alle Konten, Bilanzen und Staatsschulden würden auf Drachme umgestellt. Anschließend würde die Drachme abgewertet, um Griechenland wieder wettbewerbsfähig zu machen. Der Schaden für die Euro-Zone werde sich in Grenzen halten. “Es gibt ein lokales Gewitter, und dann scheint wieder die Sonne”, so Sinn.

Aha, der Sinn will also Griechenland aus dem Euro haben. Damit überall wieder die Sonne scheint – sagt er. Die Sonne würde erst mal für alle CDS Spekulanten scheinen – und der Sinn soll endlich mal dazu etwas sagen, ob er da mit dazugehört.

Hier ist mein Plan was Griechenland machen sollte -  eine zusätzliche Währung einführen, die Neue Drachme, gute Idee. So ähnlich also was Sinn sagt. Aber Abwerten? Warum? Sobald die Griechen ihre Auslandsschulden einfach nicht mehr bezahlen, sieht es um griechische Wirtschaft sehr gut aus. Hier ist also mein Plan:

Zahlungsunfähigkeit gegenüber dem Ausland erklären

11 Punkte Plan für Griechenland :

1) Staatliche Auslandsschulden werden nicht zurückgezahlt

2) Neue Drachme wird eingeführt, zu einem Kurs von 1:1 zum Euro. Dieser Aussenwert der neuen Drachme wird beibehalten. Die Neue Drachme wird die zweite Währung neben dem Euro in Griechenland.

3) Der griechische Staat und die griechische Nationalbank strebt eine Inflationsrate von 1% an, für die nächsten Jahre, um weiter die  Wettbewerbsfähigkeit gegenüber der Eurozone zu verbessern, die eine Zielinflationsrate von 2% verfolgt.

4) Kapitalkontrollen werden eingeführt. Es darf keine Geld mehr ins Ausland überwiesen werden, ausser für (8) und (9).

5) Bargeld Kontrollen werden eingeführt. Bargeldauszahlungen von Banken werden auf 500 Neue Drachmen pro Woche begrenzt.

6) Ausgeglichene Staatshaushalte werden Pflicht. Der Staat nimmt bei Bedarf eine Vermögensteuer ein, die griechische Vermögen im Ausland besteuert.

7) Ausstehende Schulden des privaten Sektors im Ausland werden mit 2% verzinst, und über einen 20 Jahres Raum getilgt und zurückgezahlt von griechischen Gläubigern.

8 ) Exporte von griechischen Waren und Dienstleistungen (wie zum Beispiel Urlaub gegen Euro) werden mit Exportzertifikaten belohnt. Jeder Exporteur erhält die gegen Vorlage der Euro. Die Exportzertifikate können verkauft werden an Importeure und werden an einer Internetbörse gehandelt.

9) Jeder Importeur muss mindestens 110% des Wertes der Importe in Exportzertifikaten vorlegen. Die 10% Marge ist notwendig, um genügend Währungsreserven zu haben, um die ausstehenen Privatsektorschulden zu bezahlen.

10) Der Nationalbank von Griechenland gibt jedes Jahr um 5% neues Geld aus, entweder durch das Banksystem durch Kreditgeldschöpfung, oder direkt zur Staatsfinanzierung von Ausgaben, oder dierekt an die Bürger zum Konjunkturanschub. Diese Geldmenge kann veraendert werden, sollte das Inflationsziel nicht erreicht werden, oder die Arbeitslosenquote aud nicht strukturellen Gründen über 6% liegen.

11) Arbeitslosigkeit wird abgebaut, dadurch dass Arbeit preiswerter wird. Die Steuern werden vermehrt auf  Vermögen erhoben, und Arbeit, besonders im unteren Lohnbereich, wird entlastet. Die Kosten des Faktors Arbeit müssen sinken, um die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen, aber das heisst nicht, dass Löhne in Griechenland nun weiter sinken müssen, nach den letzten Kürzungen.

Welche Vorteile hat das nun für Griechenland?


a) Schnelle Tilgung der Schulden

Griechenland ist auf einen Schlag 89% seiner Schulden los, die jetzt von 373 Mrd Euro auf 41 Mrd Euro fallen. Denn 89% der Schulden Griechenlands sind Auslandsschulden. (alle Zahlen basieren auf den Zahlen des IWF Reports von Juli 2011)

b) Keine Vermögensverluste innerhalb Griechenlands

Griechen behalten ihr Vermögen, was sie in Staatsanleihen investiert haben. 41 Mrd Euro griechisches Vermögen wird also geschont. Damit bleiben griechische Banken und Versicherungen, die in griechische Staatsanleihen investiert haben, solvent.

c) Zinsersparnisse

Griechen sparen rund  18 Mrd Euro pro Jahr (8% des BIPs) an Zinszahlungen. Das sind die Zinszahlungen, die ins Ausland abfliessen müssen. Wenn es keine Schulden mehr gibt, gibt es auch keine Zinsen mehr.

d) Ersparnisse bei der Schuldentilgung

Griechen sparen die Schuldentilgung, die ab dem Jahr 2014 10 Mrd (4% des BIPs) und 2015 18 Mrd (8% des BIPs) verschlingt.
e) Banken bleiben solvent

Die privaten griechischen Banken, die im Moment von der EZB finanziert werden, können diese Gelder behalten. Falls die EZB das Geld zurück haben wollte, muss sie sich genauso wie alle anderen privaten Gläubiger Griechenlands auf einen 20 Jahres Zeitraum einstellen. Die griechischen Banken, die Probleme haben, können zusätzlich von griechischen  Regierung gestützt werden, in dem Eigenkapital zugeschossen wird.

f) Handelsbilanz ist ausgeglichen

Durch die handelbaren Exportzertifikate werden Exporte preiswerter, und Importe teurer. 2010 hat Griechenland ein Handelsbilanzdefizit von 10 Mrd. Das sind 4% des BIPs. Ausgeführt werden 50 Mrd Güter und Dienstleistungen, eingeführt 60 Mrd. Hätte man nur 10% mehr exportiert und 10% weniger  importiert, wäre die Handelsbilanz ausgeglichen. Dadurch, dass man Exportzertifikate haben muss, um zu importieren, ist garantiert, dass die Handelsbilanz ausgeglichen ist, und dass Griechenland wettbewerbsfähiger wird.

g) Leistungsbilanz ist ausgeglichen

Die Leistungsbilanz ergibt sich aus der Summe der Handelsbilanz und der Kapitalströme. Dadurch, dass jeder weitere Export von Kapital verboten wird, durch Kapitalkontrollen, kann kein Kapital abfliessen. Ausnahme ist das Geld zur Bezahlung der Auslandsschulden des Privatsektors, die weiter honoriert werden. Die belaufen sich auf 87 Mrd Euro und werden über 20 Jahre getilgt und mit 2% verzinst. Also. pro Jahr könnten 5,3 Mrd Euro davon in Schuldentilgung und  Zinsen zurückgezahlt werden.

Zu diesem Zweck wird die 10% Marge von Exportzertifikaten für Importe verlangt. Dann hat man eine ausgeglichene Leistungsbilanz (Exporte=Importe + Privatsektor Schuldentilgung)

Wenn nun im Gegenzug Kapital nach Griechenland fliesst, entweder durch Besteuerung von griechischen Auslandsvermögen, oder freiwilliger Rückführung von griechischen Geldern aus dem Ausland, oder Auslandsinvestitionen, könnte die Leistungsbilanz auch ausgeglichen bleiben. Dann könnten die 10% Marge mit der Exportzertifikate Importe finanzieren sollen, abgeschafft werden. Oder Exportzertifikate könnten ganz abgeschafft werden.

h) Neue Auslandsverschuldung verbieten

Neue Auslandsverschuldung, die über eine drei-monatige Zahlungsfrist für normalen Handel hinausgeht, wird ab sofort verboten.

i) Ausgeglichener Staatshaushalt 

Der Staatshaushalt hat kein Defizit mehr, dadurch dass man die Zinszahlungen, die 8% des Staatshaushaltes ausmachten, nicht mehr bezahlen braucht.

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Griechenland kann sich jetzt also mal dem Problem der Arbeitslosigkeit und des Wachstums zuwenden. Kann mir mal einer sagen, warum die Griechen das nicht machen sollten?

Die Griechen würden auf einmal als das vernünftigste und solventeste Land in der EU dastehen. Die Neue Drachme wäre stärker als der Euro. Die Probleme würden alle in den Euroraum exportiert – wo die Unsicherheit wachsen wird.

Es wäre ökonomisch sehr vernünftig für Griechenland absolut keine der staatlichen Auslandsschulden zurückzuzahlen.

Wenn Europa also daran interessiert ist, dass Griechenland nicht aus dem Euro austritt, um uns mit über 330 Mrd Schulden sitzen zu lassen in Europa, sollte man schnell folgendes machen:

  • Die EZB als Lender of Last Resort zulassen, wie es hier Gustav Horn uns erklärt um Spekulation zu stoppen.
  • Griechenlands Schulden ganz übernehmen, von der EZB/EU/IWF und Griechenland einen 400 Mrd Kredit zinslosen Kredit anbieten, abzutragen über 30 Jahre, was Griechenland rund 13,3 Mrd kosten würde pro Jahr. Das sind 6% oder weniger des BIPs jedes Jahr für den Schuldendienst (Zinsen und Tilgung) , und nicht bis zu 16% wie es die Troikaner (für 2015 zum Beispiel) vorschlagen.

Das würde die Staatsverschuldung Griechenlands in schon 10 Jahren auf rund 90% des BIPs drücken, von etwa 160% jetzt. Ohne weitere Verunsicherung des Marktes.

Also, die Kosten Griechenland im Euro zu halten sind sehr gering, wenn man das richtig anpackt. Man braucht nicht 330 Mrd Schulden abschreiben, die von der Allgemeinheit in Europa getragen würde. Plus der Ausfall der privaten Verschuldung Griechenlands, (87 Mrd Euro) die nun ueber 20 Jahre gestreckt wird. Von wegen, die Sonne wird scheinen – das wird auf keinen Fall so sein. Lange andauernde Wirbelstürme und Unwetterkatastrophen wären die Folge.

Das wäre die grösste Insolvenz der Geschichte Europas, mit Abstand. Und hier sind noch nicht mal die Kosten für die CDS, die auch europäische Banken tragen müssten, mit eingerechnet. Oder der Ansteckung.

Das könnte passieren, wenn man unserem Chaos Ökonom Prof. Sinn folgt. Also, die Griechen mit Samthandschuhen anfassen. Damit nichts anbrennt.

Wenn man Griechenland nicht langsam mal entgegen kommt, wie zum Beispiel mit zinslosen langfristigen Krediten, wird nämlich ein Ausfall Griechenlands immer wahrscheinlicher.

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