Unsere Bundeskanzlerin will weniger Worte und mehr Bilder in den Internetauftritten von ARD und ZDF, anscheinend. Vielleicht hat sie es nicht so mit komplexen Argumentationen. (Hier mal in 5 Punkten kurz und bündig zusammengefasst, warum sie total daneben liegt mit ihrer Haltung zur EZB Hilfe!)
Es könnte sein, dass unsere Kanzlerin besser mit Bildchen umgehen kann, denn ihre Reden sind ja alles andere als rhetorisch wertvoll, und der Inhalt ist weder inspirierend, noch beschreibt er den Ernst der Lage, in der sich Europa befindet.
Wir wir wissen, ist die Angela gegen Staatsanleihenaufkäufe der EZB, der entscheidende Satz aus der Rede vor ein paar Tagen.
Aber wenn die Politik glaubt, die EZB könne als “lender of last resort” das Problem der Euroschwäche lösen, dann redet sie sich aus meiner Sicht etwas ein, was so nicht passieren wird.
Aha, also hier mal, extra für die Angie, ein paar Bildchen als Nachhilfe, warum es gut ist eine Zentralbank zu haben die hilft, anstatt bestraft, am Beispiel von Japan. Japan hatte die erste riesengroße Kreditblase jüngerer Zeit. In den zehn Jahren bis 1990 vervierfachten sich Immobilienwerte und versechsfachten sich Aktienpreise, und seitdem ging es fast nur bergab. Hier eine Supergrafik, die das sehr schön darstellt, aus dem Zeit Herdentrieb Blog.
(1) Die japanische Finanzblase
Grafik: Zeit Herdentrieb, aus Wir brauchen eine andere EZB
Jeder der in Japan in den zehn Jahren nach 1986 Immobilien gekauft hat, wird erlebt haben, dass seine Immobilie um mindestens die Hälfte im Wert gefallen ist. Viele werden Immobilien haben, die nur noch ein Drittel oder Viertel des urprünglichen Kaufpreises wert sind. Das, Frau Merkel, ist eine Kreditblase von ungeheurem Ausmass. Da sind die griechischen Schulden gar nichts gegen. So gut wie jeder, der in Japan Aktien oder Immobilien in den letzten 25 Jahren gekauft hat, hat Geld verloren.
Was hat man also gemacht, um die Kreditblase zu entschärfen, gespart, alle in die Arbeitslosigkeit getrieben, nach IWF Rezept? Hat die Zentralbank zugeguckt, wie alles den Bach runter geht, wie unsere EZB? Hat man versucht, den Haushalt zu konsolidieren, indem man Defizite runterfährt um Staatsschulden unten zu halten und die Zinsen hochgesetzt? Nach schwäbischem Sparrezept? So wie in Griechenland und anderswo? Natürlich nichts von alledem. Japan macht seit 20 Jahren genau das Gegenteil, um aus seiner Schuldenkrise herauszukommen.
(2) Wachstumsraten nach Platzen der Blasen, verschiedene Länder
Worauf hat man nach dem Platzen der Blase gesetzt in Japan gesetzt – Wachstum!
Grafik: Citi Analysis, verbessert von eurogate101
Das Wachstum war zwar nicht so toll wie uns hier die Analyse Abteilung der Citigroup erzählen will, aber japanisches Wachstum ging auch nach 1990 generell minimal nach oben. Ich hab die Grafik ein wenig korrigiert, meine Kreuzchen streichen die Linie der Citigroup durch, und ersetzen sie durch meine eigene Linie darunter, die in etwa die wirkliche Wachstumsrate Japans wiederspiegelt. Jeder kann sich selber überzeugen, wer Recht hat. Nur mal bei den Japanern nachgucken.
(3) BIP (und BIP pro Kopf) seit Jahren in etwa gleich in Japan
Grafik: Japan Statistics Bureau
Also noch mal, man liess das BIP nicht sinken, um sinkende Preise zu vermeiden. Das hat funktioniert, und das BIP ist nun seit rund 15 Jahren etwa gleich in Japan. Auch das BIP pro Kopf. Knapp unter 4 Mio Yen, das sind etwas weniger als 40.000 Euro. (Zum Vergleich Deutschland und Eurozonendurchschnitt, um 30.000 Euro)
(4) Und man druckte Geld in Japan.
Die Geldmenge verdreifachte sich, von 1997 bis 2006 etwa. In Japan wurde das Quantitative Easing Programm erfunden, um alle möglichen Anleihen aufzukaufen, und so Geld in die Wirtschaft zu pumpen. Was ja auch die Federal Reserve in den USA und die Bank of England machen. Das ist Gelddrucken, auch wenn man immer so tut als wäre es das nicht.
Grafik: Citi Analysis
Sollte man machen was Ewald und Auerback vorschlagen, also dass die EZB 1,5 Billionen Euro drucken (16% des Euro BIPs), um die Staatschulden nächstes Jahr z.B. nicht mehr von Investoren finanzieren zu lassen, sondern einfach abzuzahlen, (um so Staatschulden der Eurozone um 20% fallen zu lassen,) würde das in etwa der Ausweitung der Geldmenge der Nationalbank Japans entsprechen (in Prozent des BIPs). Da hat es gut funktioniert, warum nicht hier?
5) Japanische Zinsen fielen nach dem Platzen der Blase
Die Zinsen stiegen nicht auf 7%, (wie es Bundesbank Weidmann gerne hätte, um die Peripherieländer zu disziplinieren, und zum Spardruck zu zwingen) sondern in Japan fallen seit 1990 die Zinsen, von 7%, und Japan hat nun eine quasi Nullzinspolitik.
Die japanischen Anleihenzinsen waren vor 20 Jahren etwa das letzte mal bei 7%, und sind jetzt nur noch 1%, oder weniger.
(6) Nur 5,5 % waren maximal arbeitslos in Japan.
Das war der Höchststand. Im Durchschnitt lag die Arbeitslosenquote in den letzten 20 Jahren unter 4%. Also sogar bei japanisch katastrophalsten Arbeitslosenzahlen, eine viermal kleinere Arbeitslosenquote als in Spanien (22 %), und weniger als ein Drittel von Griechenland (18%) .
Hier gingen mir die Bildchen aus, die ich mir borgen konnte, also nun hier meine selbst gemalte Grafik, basierend auf Daten von der OECD.
(7) Die Staatschulden Japans vervierfachten sich…
…auf rund 200% des BIPs seit 1990, um zu verhindern, dass die Wirtschaft bei deflationären Immobilien und Aktienwerten nicht schrumpft. So hat man langsam die Luft aus der Blase gelassen, es gab zwar Insolvenzen, aber gemächlich und über einen langen Zeitraum. Nie gab es einen Schuldenschnitt, der massiv auf einen Schlag viel Vermögen zerstört hätte, wie man das ja in Griechenland machen will, wo ein 50% Schuldenschnitt zur Debatte steht, was ja viele schon immer fordern!
Daten: Blau: Japan Statistics Bureau; Rosa: OECD (es fehlen mir zum Teil Daten, deshalb sind in der Grafik Lücken)
Aber, ganz wichtig, Japan leiht sich das Geld ausschliesslich von seiner Bevölkerung, und hat keine Auslandsschulden.
Okay, Japan ist nicht Griechenland, oder Italien, oder Spanien; anders als Japan importieren diese Länder mehr, als sie exportieren, ein wichtiger Unterschied. Da das Geld um die Differenz zu bezahlen, aus dem Ausland kommen muss. Aber die Finanzblase war wesentlich grösser – ein m.E. anderes, aber sehr viel schwierigeres Problem als die Staatschulden in Griechenland oder sonst in der Eurozone.
Was kann man hier von Japan lernen?
(a) Das BIP in Japan fällt nicht. (In Griechenland fiel es in den letzten zwei Jahren um insgesamt rund 10%.)
(b) Gelddrucken führt eher zur Deflation, anscheinend, so wie es in Japan aussieht, nicht Inflation. Die Geldmenge verdreifachte sich, verglichen mit vor der Krise, und die Verbrauchsgüterpreise (also die offizielle Inflationsrate – die ja nicht Aktien oder Immobilienpreise mit berücksichtigt) sind mehr oder weniger konstant geblieben, oder fielen sogar leicht. (Siehe 1. Grafik ganz oben.) Mit anderen Worten, die Japanischen Notenbanker verstehen ihr Geschäft, nicht so wie die EZB Amateure!
(c) Japans Zinsen fielen um aus einer Schuldenkrise herauszukommen. Sie fielen von 7% auf 1% oder weniger. (Unsere Chaos Ökonomen wie Weidmann/Fuest/Hüther halten ein Steigen auf 7% für Italien und Spanien von 4% vor einem Jahr für angebracht.)
(d) Staatsschulden sind kein Problem, wenn es die eigene Bevölkerung ist, die dem eigenen Staat Geld leiht. Das geht übrigens auch, wenn man wie die südlichen Euroländer Leistungsbilanzdefizite hat.
(e) Auch inmitten einer Schuldenkrise ist es möglich die Arbeitslosigkeit unten zu halten. Japan macht es vor.
Also, Frau Merkel, damit die sieben Bildchen nicht ein Buch mit sieben Siegel für Sie bleiben, die Moral von der Geschichte:
Die EZB Geld drucken lassen um Anleihen zu kaufen, um Zinsen runter zu bekommen. Und die eigene Bevölkerung eines jeden Landes dazu bewegen, Anleihen zu kaufen. Mit Zwangsanleihen, wenn es sein muss. Zu einem Prozent Zinsen – oder am Besten zinsfrei. Und Arbeitslosigkeit versuchen abzubauen und das BIP nicht in den Keller fallen lassen. Mit anderen Worten, den IWF wieder nach Washington schicken! Und die Chaos Ökonomen in die Wüste!
Alternativ könnte man immer noch mal eine Vermögensteuer einführen, die Wundersteuer. Die die reichsten 10% der Bevölkerung eines jeden Landes besteuert, die immer wohl die Hälfte des privaten Nettovermögens eines jeden Landes besitzen. Ob in Deutschland, Griechenland oder Italien. Überall eigentlich wird das ähnlich sein. Wie auch in Japan, da wäre Vermoegensteuer auch eine gute Alternative, um die Staatsschulden abzuzahlen.




gelesen ?
Goldman Sachs rät Angela Merkel zum Gelddrucken
http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2011/11/32840/
der zentrale satz:
“Die Goldman-Analyse ist im Ton außerordentlich sanft. Das mag damit zusammenhängen, dass sie in der Sache – vielleicht unfreiwillig – eine Tatsache enthüllt, die den meisten in der Deutlichkeit nicht immer bewusst ist: All die schönen Milliarden, die die EZB drucken soll, gehen direkt zu Goldman und den anderen Banken, die sich mit Papieren jeder Staaten, die sie beraten haben (etwa beim EFSF-hier) und gegen die sie wetten (hier), eingedeckt haben.”
soweit ich das verstehen darf wird das gedruckte geld direkt in die kassen der banken für weitere operationen gespült.
bravo !!!
und dann ?
neues spiel ?
______________
ich würde japan nicht mit der eurozone so vergleichen.
japan hat massive probleme mit seinen sozialsystemen, nicht nur rentenkasse ist pleite.
die altersstruktur ist noch älter als in deutschland.
aber wenn es um das retten der banken und das füllen der kriegskasse geht ist geld drucken wahrhaftig der weg der wege.
nicht jedoch für die menschen.
die schere wird sich noch weiter öffnen zwischen arm und reich.
“nicht jedoch für die menschen.
die schere wird sich noch weiter öffnen zwischen arm und reich.”
Also, ich habe keine weitere Ahnung ueber Japan als das was ich hier geschrieben habe. Also das BIP pro Person ist gleichgeblieben, anscheinend, aber hat sich das BIP mehr auf die Unternehmen konzentriert, wie in Deutschland? Oder ist die Einkommen und Vermoegensverteilung immer noch so wie vorher? Wahrscheinlich nicht, denn wer vielleicht ein Millionaer war 1990, sitzt jetzt vielleicht in einem Haus was nur noch ein Viertel wert ist. Und hat Schulden, die weit ueber den Wert seiner Immobilie herausgehen.
Dass sich aus Gelddrucken unbedingt ergibt, dass sich die Schere zwischen arm und reich weiter oeffnet, ist so nicht unbedingt richtig. Wennman aber Austeritaet mit Gelddrucken verordenen will, wie GS, ist das sicherlich richtig.
Vermeogensteuer + Gelddrucken ist eine ganz andere Geschichte.
interessante Zusammenstellung.
Wenn man genauer hinguckt, werden die Unterschiede so viele.
Japan war über viele Jahre Exportweltmeister und hat große ausländische Guthaben angehäuft, insbesondere auch der japanische Staat US Staatsanleihen so etwa 70 % GDP vor ca 1.5 Jahren. Ich hatte da eine Diskussion mit dem Paul Krugman, weil der sich über das japanische Regierungsbudget / BoJ balance sheet echauffiert hatte.
Die Japaner schreiben das Umwälzen der Kredite, im Gegensatz zu allen anderen, die ich kenne, als Ein- und Ausgaben in den Haushalt, wonach es danach ausssieht, als ob der halbe Haushalt aus frischen Schulden finanziert wird. Faktisch haben sie damals aber (kleine) Zinsgewinne gemacht (1% Japan vs 4% in US) !
Damit sind im krassen Gegensatz zu den PIGS die Auslandsschulden vielfach durch Auslands-Anlagen gedeckt.
Die japanischen staatlichen Renten sind deutlich niedriger, also sind die Leute gezwungen, Yen für etliche Jahre zu halten, auch wenn “Mrs Watanabe” schon deutlich im Ausland investiert (Carry trade). Unsere Riesterrenten gehen da etwas in die Richtung : – )
Und sie haben mit sehr kommoden Staatsschulden begonnen, und das Problem ja nicht gelöst, auch die private Verschuldung in Japan ist immer noch hoch.
http://www.slideshare.net/genauer/consumer-debt-9349151
Zum Gruseln mal die UK Zahlen betrachten
Erst ging die Inflation völlig runter, dann die Staatszinsen, und dann konnte auch fleisig geborgt werden (um Firmenschulden langsam in Staatsschulden umzuwandeln)
Also alles völlig anders wie bei den PIGS.
Und, das japanischen Problem ist ja nach wie vor nicht gelöst,
deren Creditrating geht mittlerweile auch runter.
Geld drucken der ECB heisst nur, das Deutschland dann 3. 4 Jahre später in den dadurch absolut sicher werdenden vollständigen Bankrott mit reingezogen wird, der moral hazard ist viel zu groß, wenn sie nicht mal bei nur nationalem Bankrott sich erst bewegen, wenn die Insolvenz nur noch wenige Wochen weg ist.
Besser den Euro jetzt beenden.
“Also alles völlig anders wie bei den PIGS. – Und, das japanischen Problem ist ja nach wie vor nicht gelöst, deren Creditrating geht mittlerweile auch runter.”
Was stoert die Japaner ihr Creditrating, die haben keine Auslandsschulden? Natuerlich ist vieles fundamental anders. Aber das wichtigste ist eigentlich, nicht mal 5% sind arbeitslos! Wie kann das sein, wie hatten die Japaner die groesste Blase seit Jahrhunderten ueberall auf der Welt, und keiner wird arbeitslos? Wenn man nichts anderes lernt, sollte man das mal von Japan lernen.
Also, es geht natuerlich darum einen Bankrott zu vermeiden, wie das geht hab ich ja oefter schon mal angesprochen. Man kann das frisch gedruckte Geld nur zu Auflagen in den Peripheriestaaten verteilen, die dann aber so sein sollten, dass die Laender auch aus ihren Schulden herausWACHSEN koennen. Also Vermoegensteuer – und wenig andere Steuern. Nicht durch Austeritaetsprogramme, hohe Zinsen und knappe Liquiditaet in die genau andere Richtung gedraengt werden, von Merkel, Weidmann und IWF.
Also Ich will die Japaner ja bestimmt nicht runtermachen, und seine Arbeitslosigkeit unter Kontrolle zu halten ist schon wichtig. Die offiziellen Statistiken können da aber leicht etwas irreführend sein, wenn Leute keine Unterstützung mehr bekommen, melden sie sich halt nicht mehr, da gibt es Länderunterschiede (in Deutschland war z.B: die A-losigkeit im Osten über 5 % höher, obwohl der Anteil der Beschäftigten höher war, die USA haben die Standard U-3 vs ein mehr generelles U-6, kleiner link gefunden http://www.bls.gov/fls/flscomparelf/labor_force.htm
Das Problem von Japan ist aber in der Tat, das sie von ihrem Stimulus nicht mehr runterkommen, seit 20 Jahren, und damit wachsen die Staatsschuden, das ist nicht stabil, und deswegen gehen ihre Crediträtings etwas runter. Langsam werden halt schon Leute nervös. Irgendwie müssen sie auf die Dauer von einem 9 % Staatsdefizit schon runter.
Dagegen haben z.B. Deutschland und Schweden klare Pfade wie Schulden abgebaut werden, und in Schweden auch von 90 auf 65, so in etwa gesenkt wurden. Das ist was ich als langfristig stabil ansehe, halt AAA. .
Mit Herauswachsen ist da nichts mehr, die Bevölkerung schrumpft um 1 %, die Ausgabenniveaus liegen auf EU Niveaus und werden runtergehen, und es ist halt nicht nur nichts Gespartes da, das Japan überreichlich hat, sondern nur Schulden, speziell im Ausland. Und hohe Zinsen zahlt Griechenland nicht, sobald die über 7 % gingen, haben sie keine eigenen Anleihen mehr verkauft, sondern kriegen jetzt die IMF / EU Kredite zu 3.5%. Es sind nur die Kurswerte für die alten Anleihen auf ein Viertel gefallen, z.B. GR0124032666, was dann rechnerische 25 % Zins ergibt, aber der Coupon is 6.25%
Das mit den Auflagen ist ja jetzt mit Griechenland 1.5 Jahre probiert worden, die lachen doch nur, selbst das Taxifahrerkartell ist noch nicht aufgebrochen worden.
Griechenland hat schon 30 Jahre gigantomanische Zuschüsse aus Europa erhalten, insgesamt ca 100 % GDP, 20 Marshallpläne, das hat nur Anspruchsdenken gefördert.
Der Aufschwung dort ist vollständig auf Pump und EU gebaut, und nicht auf eigenes Sparen, so wie bei Japanern, Chinesen.
Niemand, auch die Griechen nicht, leihen diesem Staat mehr etwas, aus sehr gutem Grund, die halten ja keine Zusage auch nur eine Woche ein, siehe Papandreou und Samaras.
Es ist nur unsere merkwürdige deutsche Neigung uns für alles und jeden verantwortlich fühlen zu müssen, anstatt den Leuten klar zu sagen, wir haben einen Maastricht Vertrag, wenn er euch jetzt auf einmal nicht mehr passt, geht. fertig.
@genauer
“Dagegen haben z.B. Deutschland und Schweden klare Pfade wie Schulden abgebaut werden, und in Schweden auch von 90 auf 65, so in etwa gesenkt wurden.”
Wie soll das praktisch für Deutschland funktionieren?
Weniger Geld für Bankenrettung? Weniger Haftung für andere Eurostaaten? Weniger Transfer an anderer Eurostaaten?
Wer verschuldet sich für die Schulden, die der deutsche Staat abbaut?
Merkel und ihr Kabinett wollen ganz sicher nicht den Guthabenabbau mit Vermögensteuer und hohen Einkommensteuersätzen für das oberste 10 Prozent, sondern die wollen an den Armen sparen und den Reichen noch mehr schenken.
Das funktioniert aber nicht! Die Saldenmechanik ist da ganz gnadenlos.
@genauer
Natuerlich wird mit Arbeitslosigkeitsdaten getrickst, wenn es geht, aber das wird vielleicht noch mehr in Spanien der Fall sein, wo Arbeitslosigkeit trotz tricksen wahrscheinlich 17% hoeher ist, trotz kleinerer Immobilienblase als Japan. Wie kommt das?
Ich halte 100% Transferzahlungen insgesamt seit Griechenland in der EU ist nicht fuer ueberhoch. Da sieht es ja auch nicht mehr aus wie vor 30 Jahren – das Land ist reicher geworden. Das sieht man. Und wie hoch sind die Transferzahlungen nach MV oder Thueringen? 30%, 50%, 70% des BIPs? Pro Jahr?
Mentalitaetsunterschiede? Wenn man der Meinung ist, alles Geld in Griechenland fliesst nur in korrupte Kanaele und die Griechen aendern sich nie, sollte man natuerlich nicht helfen. Es ist wichtig, dass die richtigen Signale gesetzt werden, und die Steuersuender haben ja bis Ende dieser Woche, um zu zahlen dort. MAn kann sehen, wie ernst es die Griechen mit ihren Reformen nehmen. Und man koennte und sollte mehr Druck ausueben auf die Griechen, die Griechen zu besteuern, und besonders die mit Vermoegen im Ausland. Denn da sitzt ja das ganze Geld. In Bankkonten in der Schweiz.
Nur, ich hatte ja schon mal geschrieben, die Griechen leihen sich fast alles Geld im Ausland im Moment, wenn die wirklich aus der EU austreten wuerden, egal wie sie das machen, sind die wirklichen Verlierer die, die das Geld verliehen haben, die EZB und die Rettungschirme. Also wir.
Grossartige Idee sich mal am Beispiel Japans zu orientieren! Ich denke aber Japan ist eher mit Deutschland zu vergleichen als mit Griechenland. Und das grosse “Glueck” Japans ist, dass das japanische Griechenland USA heisst. Damit will ich sagen, das die enorme Staatsverschuldung, mit der Japan das Problem entschaerft hat, von den “Maerkten”= US Ratingagenturen, nur toleriert wird, weil die Japaner weiter tolle Autos etc. fuer gruen bedrucktes, natuerlich tripple A rated, Papier hergeben und so gigantische “Waehrungsreserven” anhaeufen. Es gibt aber inzwischen Japaner, die begreifen, dass sie niemals einen equivalenten Gegenwert dafuer erhalten werden. Das ist aber der Preis, den man in Japan anscheinend (noch?) bereit ist zu zahlen, um die Kiste nicht abrupt abstuerzen zu lassen.
Deutschland hat das “Pech”, dass der Euro nicht Weltleitwaehrung ist und die Exportueberschuesse aus Lieferungen an die schwaecheren EU Staaten nicht zur Finanzierung der US Defizite in US Staatspapiere angelegt wurden. Wer das nicht macht, wird von den “Maerkten” = US Ratingagenturen entsprechend, wenn auch auf Umwegen, abgemahnt.
Ein wesentliches Element des Problems, das in Japan aber auch nicht wirklich geloest ist, ist der enorme deflationaere Druck, der durch eine sich staendig steigernde Produktivitaet ausgeloest wird. Wenn man das mit “grosszuegiger” Kreditvergabe = kuenstlicher Nachfrageausweitung uebertuencht, dann geht das eine Weile gut und dann entstehen diese Blasen. Entweder im Inland oder im Ausland oder wie im Falle Japans erst im Inland und dann im Ausland. Solange Japan bereit ist tolle Autos, Elektronik etc. gegen gruen bedrucktes Papier zu liefern, wird es keine nennenswerte Arbeitslosigkeit in Japan geben. Solange der japanische Staat dabei seine Arbeiter, Rentner, bei Laune halten kann mit Schulden, die er bei seinen Wohlhabenden macht, funktioniert das Modell.
GT
Hier mal nicht so tolle Nachrichten aus England, auch mal um mit Japan zu vergleichen (Robert Peston – BBC Blog)
http://www.bbc.co.uk/news/business-15820601
UK’s debts ‘biggest in the world’
….
Well, McKinsey is updating its 2010 report and has shared its interim findings with me (some of which I wrote about on Friday in my note on why investors are as wary of lending to Spain as to Italy).
These findings are not comforting.
According to the consulting firm, by the end of March this year, the aggregate indebtedness of the UK – that’s the sum of household debts, company debts, government debts and bank debts – had risen to 492% of GDP, or almost five times the value of everything we produce in a single year.
That compares with 481% at the end of 2008.
So the UK’s total indebtedness has increased, and is still the biggest relative to GDP of any of the big economies. That said, Japanese indebtedness is pretty much the same size – at the end of 2010, as opposed to the end of March 2011, Mckinsey says Japan’s debts were also 492% of GDP.
US indebtedness is less, at 282% of GDP by the middle of this year, down from 296% in December 2008.
In the case of America, government debt is on a steeply rising trend, jumping from 61% of GDP to 80% over the past two and a half years.
But household debts have fallen from 98% of GDP to 87% of GDP, as homeowners have handed back the keys of their houses to lenders and reneged on the debts (which is possible in much of the US, but almost impossible in the UK).
So what’s going on? Why are UK debts still going up?
Well partly it’s to do with a phenomenon I’ve discussed here many times, that debt has been shuffled from the private sector to the public sector.
When banks stopped lending, and private-sector spending and investing collapsed, governments continued to spend, even though tax revenues were falling. So public-sector borrowing exploded.
To be clear, if governments had not continued to spend, our recession might well have become something much worse, a 1930s-style depression.
But it is fair to say that a consequence of banks, households and businesses trying to repay their debts has been a big increase in government borrowing.
Here are the numbers. From the end of 2008 to the spring of this year – so during the course of a bit more than two years – the debt of British companies fell from 122% of GDP to 109%, and the debt of households fell rather less, from 102% of GDP to 97% of GDP.
Most would say those are positive trends, although the pace of debt repayment by households is pretty sluggish and our personal debts (at close to 100% of GDP) remain substantial (and a worrying burden) by historical standards.
By contrast, government debt has risen from 52% of GDP, which at the time was pretty low by international standards, to 76% of GDP, which is more or less standard for the rich west.
But as you’ll know, UK government debt remains on a fairly sharply rising path (the government’s deficit is some distance from being closed).
One other slightly surprising and – perhaps – disturbing trend is that the debt of financial institutions has risen, from 205% of GDP to 210% of GDP…..
What it means is that we must brace ourselves for many years of relatively low growth, perhaps 1% versus the 3% of the 16 boom years before the crash, because we no longer have the fuel of borrowing more and more every year.
Nachtrag zum obigen Kommentar von mir.
Die Schulden, die der japanische Staat bei seinen Wohlhabenden macht, um das Problem zu entschaerfen, entsprechen in der Wirkung den von matt_us vorgeschlagenen Vermoegenssteuern, nur sie werden den Wohlhabenden als Guthaben beim Staat angeschrieben. Die japanischen Reichen machen das mit, weil ein Japaner sich als Teil seiner Gesellschaft versteht. Natuerlich gibt es in Japan auch die Herrschaft der Reichen und Wohlhabenden ueber die weniger begueterte Masse. Allerdings ist in Japan traditionell mit Herrschaft eine Verpflichtung gegenueber den Beherrschten verbunden und diese Verpflichtung ist effektiv einforderbar, weil Scham und Gesichtsverlust drohen, wenn man ihr nicht nach kommt. Das ist in kurzen Worten der kulturelle Unterschied zwischen einer “Schamgesellschaft” und einer “Schuldgesellschaft”. Die Schuldgesellschaft hat den Nachteil, das Schuld immer erst im Nachhinein ermittelt werden kann und ein Schuldspruch nichts mehr rettet. Der Westen kennt daher den Begriff der Verantwortung. Wenn es aber moeglich oder sogar modern ist die Verantwortung fuer das Gemeinwohl als Fuehrungskraft oeffentlich abzulehnen, dann brechen alle Daemme. Siehe auch:
http://georgtsapereaude.blogspot.com/2010/03/eigentum-verpflichtet-sein-gebrauch_10.html
Und hier noch ein paar “Bilder” aus Japan:
http://www.querschuesse.de/japanische-ausenhandelsdaten-fur-oktober/
GT