Unsere Bundeskanzlerin will weniger Worte und mehr Bilder in den Internetauftritten von ARD und ZDF, anscheinend. Vielleicht hat sie es nicht so mit komplexen Argumentationen. (Hier mal in 5 Punkten kurz und bündig zusammengefasst, warum sie total daneben liegt mit ihrer Haltung zur EZB Hilfe!)

Es könnte sein, dass unsere Kanzlerin besser mit Bildchen umgehen kann, denn ihre Reden sind ja alles andere als rhetorisch wertvoll, und der Inhalt ist weder inspirierend, noch beschreibt er den Ernst der Lage, in der sich Europa befindet.

Wir wir wissen, ist die Angela gegen Staatsanleihenaufkäufe der EZB, der entscheidende Satz aus der Rede vor ein paar Tagen.

Aber wenn die Politik glaubt, die EZB könne als “lender of last resort” das Problem der Euroschwäche lösen, dann redet sie sich aus meiner Sicht etwas ein, was so nicht passieren wird.

Aha, also hier mal, extra für die Angie, ein paar Bildchen als Nachhilfe, warum es gut ist eine Zentralbank zu haben die hilft, anstatt bestraft, am Beispiel von Japan. Japan hatte die erste riesengroße Kreditblase jüngerer Zeit. In den zehn Jahren bis 1990 vervierfachten sich Immobilienwerte und versechsfachten sich Aktienpreise, und seitdem ging es fast nur bergab. Hier eine Supergrafik, die das sehr schön darstellt, aus dem Zeit Herdentrieb Blog.

(1) Die japanische Finanzblase

Grafik:  Zeit Herdentrieb, aus Wir brauchen eine andere EZB

Jeder der in Japan in den zehn Jahren nach 1986 Immobilien gekauft hat, wird erlebt haben, dass seine Immobilie um mindestens die Hälfte im Wert gefallen ist. Viele werden Immobilien haben, die nur noch ein Drittel oder Viertel des urprünglichen Kaufpreises wert sind. Das, Frau Merkel, ist eine Kreditblase von ungeheurem Ausmass. Da sind die griechischen Schulden gar nichts gegen. So gut wie jeder, der in Japan Aktien oder Immobilien in den letzten 25 Jahren gekauft hat, hat Geld verloren.

Was hat man also gemacht, um die Kreditblase zu entschärfen, gespart, alle in die Arbeitslosigkeit getrieben, nach IWF Rezept? Hat die Zentralbank zugeguckt, wie alles den Bach runter geht, wie unsere EZB? Hat man versucht, den Haushalt zu konsolidieren, indem man Defizite runterfährt um Staatsschulden unten zu halten und die Zinsen hochgesetzt? Nach schwäbischem Sparrezept? So wie in Griechenland und anderswo? Natürlich nichts von alledem. Japan macht seit 20 Jahren  genau das Gegenteil, um aus seiner Schuldenkrise herauszukommen.

(2) Wachstumsraten nach Platzen der Blasen, verschiedene Länder

Worauf hat man nach dem Platzen der Blase gesetzt in Japan gesetzt – Wachstum!

Grafik: Citi Analysis, verbessert von eurogate101

Das Wachstum war zwar  nicht so toll wie uns hier die Analyse Abteilung der Citigroup erzählen will, aber japanisches Wachstum ging auch nach 1990 generell minimal nach oben. Ich hab die Grafik ein wenig korrigiert, meine Kreuzchen streichen die Linie der Citigroup durch, und ersetzen sie durch meine eigene Linie darunter, die in etwa die wirkliche Wachstumsrate Japans wiederspiegelt. Jeder kann sich selber überzeugen, wer Recht hat. Nur mal bei den Japanern nachgucken.

(3) BIP (und BIP pro Kopf) seit Jahren in etwa gleich in Japan

Grafik: Japan Statistics Bureau

Also noch mal, man liess das BIP nicht sinken, um sinkende Preise zu vermeiden. Das hat funktioniert, und das BIP ist nun seit rund 15 Jahren etwa gleich in Japan. Auch das BIP pro Kopf. Knapp unter 4 Mio Yen, das sind etwas weniger als 40.000 Euro. (Zum Vergleich Deutschland und Eurozonendurchschnitt, um 30.000 Euro)

(4) Und man  druckte Geld in Japan.

Die Geldmenge verdreifachte sich, von 1997 bis 2006 etwa. In Japan wurde das Quantitative Easing Programm erfunden, um alle möglichen Anleihen aufzukaufen, und so Geld in die Wirtschaft zu pumpen. Was ja auch die Federal Reserve in den USA und die Bank of England machen. Das ist Gelddrucken, auch wenn man immer so tut als wäre es das nicht.

Grafik: Citi Analysis

Sollte man machen was Ewald und Auerback vorschlagen, also dass die EZB 1,5 Billionen Euro drucken (16% des Euro BIPs), um die Staatschulden nächstes Jahr z.B. nicht mehr von Investoren finanzieren zu lassen, sondern einfach abzuzahlen, (um so Staatschulden der Eurozone um 20% fallen zu lassen,) würde das in etwa der Ausweitung der Geldmenge der Nationalbank Japans entsprechen (in Prozent des BIPs). Da hat es gut funktioniert, warum nicht hier?

5) Japanische Zinsen fielen nach dem Platzen der Blase

Die Zinsen stiegen nicht auf 7%, (wie es Bundesbank Weidmann gerne hätte, um die Peripherieländer zu disziplinieren, und zum Spardruck zu zwingen)  sondern in Japan fallen seit 1990 die Zinsen, von 7%, und Japan hat nun eine quasi Nullzinspolitik.

Grafik: Citi Analysis

Die japanischen Anleihenzinsen waren vor 20 Jahren etwa das letzte mal bei 7%, und sind jetzt nur noch 1%, oder weniger.

(6) Nur 5,5 % waren maximal arbeitslos in Japan.

Das war der Höchststand.  Im Durchschnitt lag die Arbeitslosenquote in den letzten 20 Jahren unter 4%. Also sogar bei japanisch katastrophalsten Arbeitslosenzahlen, eine viermal kleinere Arbeitslosenquote als in Spanien (22 %), und weniger als ein Drittel von Griechenland (18%) .

Hier gingen mir die Bildchen aus, die ich mir borgen konnte, also nun hier meine selbst gemalte Grafik,  basierend auf Daten von der OECD.

(7) Die Staatschulden Japans vervierfachten sich…

…auf rund 200% des BIPs seit 1990, um zu verhindern, dass die Wirtschaft bei deflationären Immobilien und Aktienwerten nicht schrumpft. So hat man langsam die Luft aus der Blase gelassen, es gab zwar Insolvenzen, aber gemächlich und über einen langen Zeitraum. Nie gab es einen Schuldenschnitt, der massiv auf einen Schlag viel Vermögen zerstört hätte, wie man das ja in Griechenland machen will, wo ein 50% Schuldenschnitt zur Debatte steht, was ja viele schon immer fordern!

Daten: Blau: Japan Statistics Bureau; Rosa: OECD (es fehlen mir zum Teil Daten, deshalb sind in der Grafik Lücken)

Aber, ganz wichtig, Japan leiht sich das Geld ausschliesslich von seiner Bevölkerung, und hat keine Auslandsschulden.

Okay, Japan ist nicht Griechenland, oder Italien, oder Spanien; anders als Japan importieren diese Länder mehr, als sie exportieren, ein wichtiger Unterschied. Da das Geld um die Differenz zu bezahlen, aus dem Ausland kommen muss. Aber die Finanzblase war wesentlich grösser  – ein m.E. anderes, aber sehr viel schwierigeres Problem als die Staatschulden in Griechenland oder sonst in der Eurozone.

Was kann man hier von Japan lernen?

(a) Das BIP in Japan fällt nicht. (In Griechenland fiel es in den letzten zwei Jahren um insgesamt rund 10%.)

(b) Gelddrucken führt eher zur Deflation, anscheinend, so wie es in Japan aussieht, nicht Inflation. Die Geldmenge verdreifachte sich, verglichen mit vor der Krise, und die Verbrauchsgüterpreise (also die offizielle Inflationsrate – die ja nicht Aktien oder Immobilienpreise mit berücksichtigt) sind mehr oder weniger konstant geblieben, oder fielen sogar leicht. (Siehe 1. Grafik ganz oben.)  Mit anderen Worten, die Japanischen Notenbanker verstehen ihr Geschäft, nicht so wie die EZB Amateure!

(c) Japans Zinsen fielen um aus einer Schuldenkrise herauszukommen. Sie fielen von 7% auf 1% oder weniger. (Unsere Chaos Ökonomen wie Weidmann/Fuest/Hüther halten ein Steigen auf 7% für Italien und Spanien von 4% vor einem Jahr für angebracht.)

(d) Staatsschulden sind kein Problem, wenn es die eigene Bevölkerung ist, die dem eigenen Staat Geld leiht. Das geht übrigens auch, wenn man wie die südlichen Euroländer Leistungsbilanzdefizite hat.

(e) Auch inmitten einer Schuldenkrise ist es möglich die Arbeitslosigkeit unten zu halten. Japan macht es vor.

Also, Frau Merkel, damit die sieben Bildchen nicht ein Buch mit sieben Siegel für Sie bleiben, die Moral von der Geschichte:

Die EZB Geld drucken lassen um Anleihen zu kaufen, um Zinsen runter zu bekommen. Und die eigene Bevölkerung eines jeden Landes dazu bewegen, Anleihen zu kaufen. Mit Zwangsanleihen, wenn es sein muss. Zu einem Prozent Zinsen – oder am Besten zinsfrei. Und Arbeitslosigkeit versuchen abzubauen und das BIP nicht in den Keller fallen lassen. Mit anderen Worten, den IWF wieder nach Washington schicken! Und die Chaos Ökonomen in die Wüste!

Alternativ könnte man immer noch mal eine Vermögensteuer einführen, die Wundersteuer. Die die reichsten 10% der Bevölkerung eines jeden Landes besteuert, die immer wohl die Hälfte des privaten Nettovermögens eines jeden Landes besitzen. Ob in Deutschland, Griechenland oder Italien. Überall eigentlich wird das ähnlich sein. Wie auch in Japan, da wäre Vermoegensteuer auch eine gute Alternative, um die Staatsschulden abzuzahlen.

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