Gestern unterrichtete uns die Kanzlerin wieder über die tollen Pläne, die sie hat, um die Finanzkrise einzudämmen:

  • EU Verträge ändern,
  • die Möglichkeit schaffen, Länder zu verklagen,
  • keine Haftungsgemeinschaft, wenn überhaupt erst am Ende dieser Periode der Vertragsänderungen,
  • keine Eurobonds,
  • und natürlich auch keine EZB Finanzierung.

Mit so einer Kanzlerin gehen wir ins Verderben.

Denn am Besten wären jetzt Eurobonds und EZB Finanzierung der Anleihen wenn nötig, um Zinsen unten zu halten, mit entsprechenden Auflagen, wie das hier Dieter Wermuth in der Zeit vorschlägt.

Gestern sprach sich sogar Henrik Müller von der Wirtschaftswoche für EZB Finanzierung aus. Vielleicht kriegt es die Kanzlerin noch mal mit. Wenn alle Pressevertreter Deutschlands am Ende auf der Seite von Eurobonds und EZB Finanzierung sind, ändert die Kanzlerin hoffentlich mal ihre Meinung.

Und eine sehr gute Abhandlung warum die Strategie von Merkel nicht funktionieren kann, gibt es hier (allerdings auf Englisch), vom Centre of European Reform. Wenn wir so weiter machen, gibt es das:

On current policy trends, a wave of sovereign defaults and bank failures are unavoidable. Much of the currency union faces depression and deflation. The ECB and EFSF will not keep a lid on bond yields, with the result that countries will face unsustainably high borrowing costs and eventually default.

This, in turn, will cripple these countries’ banking sectors, but they will be unable to raise the funds needed to recapitalise them. Stuck in a vicious deflationary circle, unable to borrow on affordable terms, and subject to quixotic and counter-productive fiscal and other rules for what support they do get from the EFSF and ECB, political support for continued membership will drain away.

Also,  Staatspleiten sind die Folge von hohen Zinsen, das heisst Banken gehen Pleite, es wird weiter gespart, und es gibt eine deflationäre Spirale nach unten. Wie also die Wirtschaftskrise in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts.

Was glaubt die Merkel eigentlich wen oder was sie hier regiert, den Strick- und Nähzirkel irgendwo in der Uckermark, wo solche Massnahmen wie Satzungänderung vielleicht angebracht wären, oder die wichtigste Volkswirtschaft in Europa, die sich gerade in den Abgrund stürzt?

Die Massnahmen von Frau Merkel untergraben Vertrauen – denn sie gehen ja nicht an die wirklichen Probleme der Eurozone heran. Wie soll ein Verklagen von Staaten die Wettbewerbsfähigkeit von der Südperipherie wieder herstellen? Und ihre Riesenschuldenberge und Arbeitslosigkeit beseitigen? Hat die Frau sie noch alle?

Denn was brauchen wir zu Beendung der Krise?

1) Vertrauen

2) Vertrauen

3) Vertrauen

So die Worte des türkischen Vizepremiers gestern in einer ausgezeichneten Sendung für das BBC World Service, die von Martin Wolf, dem Financial Times Wirtschaftskommentator gemacht wurde. Und die unsere Kanzlerin auch mal anhören sollte, anstatt den Chaosökonomen wie Sinn, Issing und Weidmann zu folgen. Solche Typen wie diese Chaoten gibt es nirgendwo auf der Welt, die solche Meinungen vertreten. Das ist wirklich katastrophal, jeder Experte  in anderen Ländern zeigt wirkliche Gründe für die Krise auf, wie man an der Sendung hört, aber Merkel dreht Däumchen und hoert auf deutsche Chaoten???! So wird Vertrauen der Finanzmärkte in die Politik weiter aufgezehrt.

Sind wir doch mal ganz ehrlich, die Merkel hat in ihrer Regierungszeit noch nie was gerichtet, nichts. In keinem Bereich. Wieso soll das jetzt auf einmal anders werden?

Das Gute an der Radiosendung gestern, jeder der uns immer wieder begegnet in dieser Krise, wenn man die internationale Presse verfolgt, wird interviewt. Ist mal ganz interessant, die so im Wortlaut zu hören, ohne Übersetzer, oder nur zitiert. Das sind alles Leute die sich anhören, als hätten sie mehr zwischen den Ohren, als Angela Merkel, und so wird das wohl auch sein. Zu Wort kommen: Christine Lagarde, Timothy Geithner, Mohamed El-Erian, Larry Summers, Carmen Reinhardt, Paul De Grauwe, Kemal Dervish. sowie auch Vertreter von Indien und China und den Chef der britischen “BaFin”, Adair Turner (der übrigens Teile des Bankwesens für “gesellschaftlich unnütz” hält – aber auch leider erst seit 2008 und nicht schon vorher!).

Die haben den Ernst der Lage erkannt, und wissen, dass ein paar Vertragsänderungen in der Eurozone nicht helfen werden. Sowas Dummes kann auch nur von Merkel und ihrem Finanzminster, Winkeladvokaten Wolfgang Schäuble, der nichts von Finanzen versteht, aber anscheinend von Verträgen.

Die EZB muss einspringen und die Länder verteidigen. Denn sonst geht alles den Bach herunter, sagt Paul de Grauwe. Die Eurozone muss auf Solidarität aufgebaut sein, und er glaubt, dass auch die EZB am Ende, um sich selbst zu retten die nötigen Schritte unternehmen wird. Aber er sieht schwarz generell, denn es wird durch die jetzige unsolidarische Haltung Misstrauen gestreut in der EU.

Insgesamt glaubt keiner, dass diese Krise schnell überwunden werden kann. Aber man hört auch Sachen die endlich in Angriff genommen werden müssen. Die Ungleichgewichte die alle zum Sparen in der Peripherie zwingen, aber Deutschland weiter ungehindert Kredite ausgeben lassen und exportieren lassen (Summers, Lagarde). Oder die ungleiche Verteilung der Einkommen und Gewinne, wo in den USA jetzt ein Viertel der Gesamtsumme jetzt jedes Jahr an 1% der Gesellschaft gehen, drei mal so viel wie vor 30 Jahren (Dervish). Und die Regulierung der Finanzmärkte, die einen versuchen, sich an uns allen zu bereichern, und deshalb die wahren Sachlagen verschleiern, auch vor Regulierern. (Turner).

Auch die Schwellenländer werden Europa hier nicht herausziehen können (El-Erian), es kann vielleicht nur geschehen, wenn die Unternehmen, die Weltweit auf Bargeldreserven sitzen das Geld ausgeben für Investitionen. Aber genau so gut kann es sein, dass der überschuldete Bankensektor die Unternehmen mit nach unten reisst.

Man erwartet allgemein wohl eine Phase der Entschuldung, die niedrigeres Wirtschaftswachstum nach sich zieht. Mrs Reinhardt spricht von einer Phase der “finanziellen Repression” wo Pensionsfonds die hauptsächlich in Staatsanleihen investieren, sich mit negativen Realzinsen zufrieden geben müssen, und von einer Phase, in der Staatsausgaben eingeschränkt werden, und Steuern erhöht. Das letztere hat natürlich negative Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum.

(Keiner in der Sendung hat übrigens von Vermögensteuer gesprochen – schade eigentlich, denn die ist, wie wir gezeigt haben, die Steuer die am wenigsten Wirtschaftswachstum beeinträchtigt. Wenn konsolidiert werden muss, dann nur mit einer Vermögensteuer, bitte.)

Aber, der Berater zum indischen Premier Singh, der in der Sendung zu Wort kam, sagte, man muss sich erst mal bewusst werden dass die Lage besorgniserregend ist, um überhaupt was zu unternehmen. Und dann braucht man auch die politischen Führer, die dann auch die Massnahmen durchsetzen können, um die Probleme zu beheben. Er war da relativ optimistisch, dass man das schafft.

Der hat wahrscheinlich nicht an Merkel gedacht, als er das sagte, denn sie erkennt weder den Ernst der Lage (hat sie noch nie in der Eurokrise), und hat auch keine Lösungen, die wirklich helfen. Wie kann man sich nur so gegen die Expertenmeinung stellen, wenn man doch absolut nichts von Ökonomie versteht, oder Märkten, wie sie schon immer wieder bewiesen hat? Sie scheint wie der letzte katastrophale Führer den wir hatten, immer noch um den Endsieg zu kämpfen, von ihrem Führerbunker in Berlin aus. Das wird nichts mit Frau Merkel und ihren Durchhalteparolen, sie muss die Richtung ändern!

Gestern, genau als Merkel ihre selbstgestrickten Pullover anpries, der uns hier vor einer Ansteckung bewahren soll, ging erst wieder die Meldung durch die Presse, dass Belgien es wohl nicht schaffen wird, die Dexia Bank zu retten, weil sie dazu Geld auf den Anleihenmärkten aufnehmen muss (30 Mrd) , was wahrscheinlich nicht möglich ist, im jetzigen Klima. Ich brauche keinem zu sagen, wenn die EZB velauten lässt, dass Belgien durch die Märkte gemassregelt werden muss, und deshalb Zinsen von vielleicht 7% angemessen sind. Wenn das der Fall ist, ist Dexia sofort insolvent, denn sie müssen 7% Zinsen zahlen auf ihre Einlagen, bekommen aber für ihre Aktiva wahrscheinlich nur 3% oder 4% im Schnitt. Sie leihen sich teures Geld, und verleihen es billig – also genau das Gegenteil was Banken machen sollten. Damit wird eine Milliarde Verlust pro Jahr festgelegt, bzw. dem belgischen Staat in die Tasche geschoben.

Wenn die Merkel nicht langsam mal die Kurve kriegt, sehen wir alt aus. Alle in Europa.

Kommentare

About these ads