Heute für unsere Kanzlerin,  vier Grafiken, die zeigen, wer an der Eurokrise schuld ist. Ist ja wichtig, denn wenn wir das nicht feststellen, machen wir die gleichen Fehler immer wieder.

Also, fangen wir mal an mit der Ursachenforschung.  Wie ging die Verschuldung in den ersten Jahren der Eurokrise nach oben? Hier die Grafik, von Querschuesse, die das bestätigt, dass Griechenland sowohl “über seine Verhältnisse gelebt hat” wie auch “seine Hausaufgaben nicht gemacht” hat.

Aus: Griechische Staatsschulden bei 360,379 Mrd. Euro

Von 2001 bis 2008, bis zur Finanzkrise, stieg die Verschuldung von Griechenland von 145 Mrd Euro auf 260 Mrd Euro.

Das ist ein jährlicher Anstieg um rund 9%. Die Schulden verdoppelten sich fast. Das ist ein stetiges Ansteigen der Schulden, aber nicht viel schneller als die Schulden (Bankkredite) insgesamt in der Eurozone, die sich im gleichen Zeitraum um 7% pro Jahr ausdehnten.

 aus: ECB Statistical Warehouse

 

Und dann natürlich Irland – das war ja das zweite Land was gerettet werden musste:

 

Aus: Statistical Yearbook of Ireland 2011

Hoppla, das gingen die Staatsschulden ja erst mal ganz steil nach unten von 1994 bis 2007, gemessen diesmal als Anteil des BIPs. Also nichts von Staatsschuldenkrise zu sehen.

Aber wir sind ja von 2001 bis 2008 interessiert, vor der US Finanzkrise, da stieg die Verschuldung pro BIP von rund 35% auf 45% in Irland. Also minimal, nur 1% im Jahr im Schnitt.

Aber jetzt mal bitte alle anschnallen, hier mal eine andere Grafik, die die Auslandskredite in Euro von im Euroraum ansässigen Banken zeigt:

Aus: Global Banking Glut and Loan Risk Premium, Princeton University

Oh, das ging ja sehr steil nach oben, von 2001 bis 2008 um rund 25% pro Jahr, von 2 Bio Dollar (etwa 1,5 Mrd Euro) auf 10 Bio Dollar (etwa 7,5 Mrd Euro). In den 7 Jahren haben sich die Auslandsschulden verfünffacht!!!

Insgesamt stiegen die Kredite in der Eurozone von 9 auf 15 Bio Euro von 2001 bis 2008. Das heisst, mit anderen Worten, die gesamte Ausweitung des Kreditvolumens in der Eurozone,  kam durch Eurozonen Banken zustande, die Auslandskredite an andere Euroländer oder Banken in den Ländern vergaben.

Oder man kann es auch so sagen, Banken in Ländern mit Leistungsbilanzüberschüssen (hauptsächlich), verliehen es in Länder mit Defiziten. Deutsche, niederländische, und österreichische Banken verliehen es in die Länder der Peripherie. Die Einlagen der grossen Unternehmen die viele Gewinnne machten, und der Vermögenden, müssen wieder in den Geldkreislauf, so machen auch z.B. französische Banken mit, Geld nach Griechenland zu verleihen,  obwohl es dort weniger die Leistungsbilanzüberschüsse sind.

Was kann man hier lernen?

Ich hab mal alle vier Grafiken von oben zusammengefasst auf einem Schaubild, damit man sieht, um was es hier geht. Genau dieses Bild sollte sich Frau Merkel ausdrucken, und einrahmen, und bei ihr im Kanzleramt aufhängen:

 

Griechenland: Staatschulden in Euro, Irland: Staatsschulden in % vom BIP, Eurokreditsumme in Euro im gesamten Euroraum,  Auslandsforderungen: von Euroraumbanken in Euro

Zusammenfassend kann man sagen:

Griechische Staatsschulden stiegen um 9% pro Jahr, das war zu hoch, aber nicht wesentlich höher als Schulden insgesamt in der Eurozone.

Irische Staatsschulden waren kein Problem bis 2008.

Auslandkredite von Banken stiegen um sagenhafte 25% pro Jahr bis 2008, und waren verantwortlich für die Ausweitung der Gesamtkreditvolumens in der Eurozone. Alle neuen Bankkredite gingen also an die Peripherie.

Nach 2008 fielen die Auslandseurokredite der Euroraumbanken. Das war wohl mitverantwortlich für das Auslösen der Eurokrise, denn insgesamt 2 Bio Dollar (1.500 Mrd Euro) wurden wohl aus den Peripherieländern abgezogen.

Also, wenn man wie die Frau Merkel jetzt alles auf die Griechen schieben will, und die Peripherie, und die jetzt mal wieder bestrafen will indem sie sie vor einen Gerichtshof zerrt, (ich dachte die Idee sei schon vor Jahren als unrealisierbar und kontraproduktiv abgelehnt worden), versteht man nicht die Dynamik der Krise.

Hier ist meine Theorie: Es liegt an den Auslandskrediten, die mir nichts dir nichts vergeben wurden, und nach der Krise 2008 zurückgefordert worden, von den Banken des Zentrums an die Peripherie. Genau so ist das Eurosystem konzipiert, freier Kapitalmarkt, und das löst nun die Staatsschuldenkrise aus. Denn Irland hat ja nie, wie man oben sehen kann, gegen die Maastricht Kriterien verstossen. Irland wurde durch den Abzug der Kredite aus dem Ausland extrem getroffen. Banken gingen alle Pleite, und der Staat musste sie retten, was zu dem Anstieg der Staatschulden führte.

Auch die Bundesbank oder die EZB scheint hier nicht die Ursache zu verstehen. Deshalb muss man also nicht die Griechen bestrafen, oder die Iren, sondern auch die, die das System erlaubt haben. Das sind die EZB oder Bundesbank oder Euroregierungen, die diese Designfehler nicht erkannt haben. Denn den Banken wurde ja innerhalb der Eurozone erlaubt, Kredite weiter an Immobilienblasenländer wie in Irland zu vergeben, und auch an Griechenland, trotz überhoher Schulden. Keiner schritt ein.

Das wäre eigentlich Aufgabe der Geldpolitik gewesen, für die die EZB. die Bundesbank, und die Zentralbanken der EU Staaten verantwortlich sind, sowas zu verhindern. Es hat auch alles gar nichts direkt mit der US Finanzkrise zu tun, obwohl das natürlich den Auslöser gab.

Auslandskredite in Euro stiegen enorm, die wohl hauptsächlich an Banken und Staaten der Peripherie gehen, von Banken des Zentrums. Sie verfünffachten sich in 7 Jahren bis 2008 und fielen wieder genauso schnell. Denn Bankkredite an andere Banken sind in der Regel ungesichert, und man kann sie schnell abziehen. Das erhöht das Liquiditätsrisiko von Banken. (Inlandskredite erhöhen die Volatilität nicht, denn sie sind generell gesichert. wenn man einen Kredit abzieht, muss man die Sicherheit verkaufen – also macht man das nicht so leicht.) Staatskredite können verkauft werden auf dem Anleihenmarkt, das erhöht ebenfalls das Liquiditätsrisiko der Staaten.

Und wir wollen nicht die Credit Default Swaps vergessen, die es erlauben, wenn man eine Krise erst mal ausgelöst hat, von der Verschärfung der Krise zu profitieren. Auch CDS erhöhen die Schwankungen der Risikoeinschätzung.

Aus einer Liquiditätskrise, die höhere Zinsen nach sich zieht, kann so leicht eine Solvenzkrise entstehen. Also, der Euro erlaubte höhere Volatilität und höheres Risiko im Bankensystem durch ungezügelte Auslandskredite. Das war von den Designern der Eurozone so gewollt. Also sind sie mitschuldig. Wenn Merkel Schuldige sucht, um sie zu bestrafen, und vor Gericht zu zerren, sollte sie sich die Designer des Euros vorladen. Das sind die Zentralbanker wie Duisenberg, Trichet und Weber und Issing, genauso wie Stark und Draghi, und die Leute der Bankaufsicht BaFin, und sie sind genau so bestrafen, wie die Griechen. Denn die haben mindestens genau so viel Schuld wie die Griechen.

Wenn Frau Merkel Vertragsänderungen in den EU Verträgen will, soll sie sich mal die Rolle der EZB oder der Bundesbank näher anschauen. Und vertraglich festlegen, dass das nicht passieren kann in Zukunft.

Und wir sollten alle mal ein bisschen Nachsicht üben mit der Peripherie. Insgesamt hat jeder Regeln verletzt, Deutschland auch 2010, da hat man immer noch das Defizit Kriterium verletzt. Alle haben gemacht, was erlaubt und geduldet war in dem Ordungsrahmen des neuen Euros, der von EZB so geschaffen wurde, das hätte auch leicht anders organisiert werden können, um den volatilen Auslandskrediten des Bankensektors in Euro einen Riegel vorzuschieben. Hat man aber nicht gemacht, somit sind die EZB und wir alle Schuld, dass es die Krise gibt.

Es wird mal Zeit öffentlich diese Ursachenforschung zu betreiben, und dann festzulegen, wie der Ordnungsrahmen des Euros besser gestaltet werden könnte. Wenn wir wirklich was lernen wollen.

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