Wenn man nach Vertretern von höheren Einkommensteuern und Vermögensteuer sucht, da muss man in Deutschland schon ganz scharf nach links abweichen, und vielleicht bei den LINKEN, Grünen oder der SPD suchen, die sich alle für eine gerechtere Besteuerung und eine Vermögensteuer aussprechen. Wirtschaftsprofessoren wie Sinn oder Hüther braucht man hierzu nicht zu befragen.

Umso interessanter dann, dass gerade vor kurzem zwei Berichte erschienen, in der sich internationale Ökonomen sich für diese Steuern aussprechen.  Und zwar bei der OECD und beim IWF. Was mich dann doch sehr wundert, da es doch gerade diese Institute sind, die ja eine Umstrukturierung der Wirtschaft in den Eurostaaten fordern, ausgeglichene Haushalte, und kleinere Staatsausgaben, hier mal was ganz fordern. Mehr Umverteilung.

Erst mal die OECD. Hier ihr Generalsekretär Angel Gurria, der auf die wachsende Ungleichheit der Einkommen in den OECD Ländern aufmerksam macht:

Income inequality in OECD countries is at its highest level for the past half century. The average income of the richest 10% of the population is about nine times that of the poorest 10% across the OECD, up from seven times 25 years ago.

Dazu gehört auch Deutschland, wie der Spiegel gestern berichtete.

Over the last two decades, there was a move away from highly progressive income tax rates and net wealth taxes in many countries. As top earners now have a greater capacity to pay taxes than before, some governments are re-examining their tax systems to ensure that wealthier individuals contribute their fair share of the tax burden.

This aim can be achieved in several different ways. They include not only the possibility of raising marginal tax rates on the rich but also improving tax compliance (and in this areas we have been helping governments eliminate bank secrecy and fiscal havens), eliminating tax deductions, and reassessing the role of taxes on all forms of property and wealth.

In den letzten zwei Jahrzehnten ging man weg von progressive Steuern, und Steuern auf Nettovermögen, was zur Folge hatte, dass die Einkommensverteilung ungleicher wurde. Die Regierungen sollte dafür sorgen, dass die Vermögenderen eine fairen Teil beitragen. Das sollte durch u.a. höhere Grenzsteuerbelastung der Reichen passeiren, und man sollte sich auch noch mal die Rolle von Steuern auf Vermögen überlegen.

The benefits of economic growth DO NOT trickle down automatically. This study dispels this assumption. Greater inequality DOES NOT foster social mobility. Without a comprehensive strategy for inclusive growth, inequality will continue to rise. There is nothing inevitable about high and growing inequalities. Our policies have created a system that makes them grow and it’s time to change these policies.

Our report Divided We Stand provides powerful evidence of the need to “Go Social!” We need to put “better policies for better lives” at the centre of our policy efforts, while providing people with equal opportunities and hope. Income redistribution should be at the core of responsible governance.

Die Politik muss dieses Ansteigen der Vermögensverteilung  berichtigen, das keineswegs unvermeidlich ist. Das ist die Kernaufgabe einer verantwortlichen Regierung.

Warum ist so eine Politik der besseren Verteilung nun so wichtig?

Hier kommt der IWF zur Hilfe. Denn in dieser Studie sagt der IWF  klipp und klar, gerechte Einkommensverteilung ist der wichtigste Faktor, der nachhaltig Wirtschaftswachstum schafft!

Hazard to sustained growth

Somewhat surprisingly, income inequality stood out for the strength and robustness of its relationship with the duration of growth spells: a 10 percentile decrease in inequality (represented by a change in the Gini coefficient from 40 to 37) increases the expected length of a growth spell by 50 percent.

The effect is large, but is the sort of improvement that a number of countries have experienced during growth spells. We estimate that closing, say, half the inequality gap between Latin America and emerging Asia would more than double the expected duration of a growth spell in Latin America.

Also ein relativ kleiner Unterschied in der Einkommensverteilung bringt viel nachhaltigere und längere Wirtschaftswachstumsperioden.

Und deshalb wird auch was ich hier schon öfter zur Lösung der Eurokrise vorschlage, (und hier auch von Harald Schumann im Tagesspiegel gefordert wird), dass die Reichen mal mehr herangezogen werden, durch Vermögensteuer, die dann die Staatschulden abzahlt, genau die richtige Strategie.

Denn durch die höhere Besteuerung der reichsten 10% eines jeden Landes, würde die Einkommen- und Vermögensverteilung nicht nur gerechter, sondern würde es auch möglich, dass die Volkswirtschaften wieder wachsen.

Nochmal aus der IWF Studie:

When there are short-run trade-offs between the effects of policies on growth and income distribution, the evidence we have does not in itself say what to do. But our analysis should tilt the balance toward the long-run benefits—including for growth—of reducing inequality. Over longer horizons, reduced inequality and sustained growth may be two sides of the same coin.

The analysis calls to mind the developing country debt crises of the 1980s and the resulting “lost decade” of slow growth and painful adjustment. That experience brought home the fact that sustainable economic reform is possible only when its benefits are widely shared. In the face of the current global economic turmoil and the need for difficult economic adjustment and reform in many countries, it would be better if these lessons were remembered rather than relearned.

Also, was hier ganz klar gesagt wird, auch wenn man kurzfristig nicht sehen kann, dass bessere Einkommensverteilung Wirtschaftswachstum erhöht, so ist es klar, dass das langfristig so ist. Also jeder muss von ökonomischen Reformen profitieren können, so generiert man nachhaltiges Wirtschaftswachstum.

Genau so kann die Euroschuldenkrise gelöst werden, wir brauchen keine Insolvenzen von Staaten, was wir brauchen sind höhere Steuern auf Vermögen und die höchsten Einkommen, um die ungleiche Verteilung die sich in den letzten Jahren ergeben hat, in fast allen Ländern, wieder gleicher zu machen. Denn das passiert automatisch, wenn hier genau die zur Kasse gebeten werden, um Staatschulden abzuzahlen.

Das sagen inzwischen alle, von Ökonomen und Kommentatoren in konservativen Zeitungen gefordert wie Michael Hudson in der FAZ oder Schumann im Tagesspiegel bis hin  zum IWF und der OECD. Und natürlich diese Studie  von Kate Pickett und Richard Wilkinson und das dazugehörende Buch.

Wie lange wird es dauern, bis unsere Regierung von Merkel und Schäuble das versteht, um dann die Ergebnisse dieser Studien in die neu verhandelten EU Verträge einfliessen zu lassen?

Wenn nur gespart wird, wird es traurig enden, in einer Austeritätsunion, mit steigenden Staatsschulden und grösserer Arbeitslosigkeit. Europaweit. Denn nur durch eine Belastung der finanzstärkeren Bürger Europas wird aus der Eurozone und der EU eine Wohlstandsunion.

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